ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:24 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Einfach mal auftanken

FOTO: LR / Sebastian Schubert
Auf dem Supermarkt-Parkplatz kann man jetzt auch tanken. Bei Aldi Süd. Der Lebensmitteldiscounter lässt an vorerst zehn Filialen im auftanken. Gemeinsam mit der FE-Trading Deutschland, Tochterunternehmen des österreichischen Mineralölkonzerns OMV.

Klappt der Pilotversuch, könnten es süddeutschlandweit bis zu 200 Tankautomaten werden. Ob der Trend dann auch den Osten erreicht, werden wir sehen. Was wir jetzt schon erkennen können, ist Kursfieber wie an den Finanzmärkten.

Dem Vernehmen nach sollen die ersten Lausitzer dem längst erlegen und echte Follower sein. Via Börsenparkett. Manche sollen sogar schon auf A wie Amazon und I wie Instagram pfeifen. Obwohl Fachkreise das soziale Netzwerk bereits als angehenden Konkurrenten des Onlinehändlers handeln. Über die Gründe wird trefflich spekuliert.

Dazu kursieren angeregte Szenarien: Sollte der Online-Handel eines Tages den klassischen Discounter-Konzern und den stationären Einzelhandel tatsächlich überholen, kann ein bereits in Ballungsräumen über seinen Filialen Wohnungen bauender, Autos betanken lassender, Elektroautobatterien aufladender, Mobilfunk anbietender Discounter womöglich überflüssige Filialen einfach umwidmen.

Dann wird die Supermarktfiliale zur gefragten „Location“. Zum Beispiel im Bereich Logistik als Umschlagplatz für von Drohnen eingeflogene Online-Einkäufe. Oder im Bereich Social Network als „Hausgemeinschaftsraum“, in dem sich Menschen treffen; zufällig oder per Flashmob. Auch als Mit-mach-Museum hätte manche Filiale eine Perspektive. Wenn sie denn so eingerichtet und unterhalten bleibt, wie sie es heute ist. Da gehen wir dann als in die Jahre gekommene, versingelte und immer noch erlebnishungrige Super-Ager hin. Um weniger allein zu sein, und um sie wieder aufleben zu lassen: die Erinnerung und die gute alte Einkaufserlebniswelt. In echt. Mit all dem Drehen und Wenden nach dem besten Angebot, Einkaufskorb-Schubsen, ungeduldigem Schimpfen oder freundlichem Wortwechsel zwischen Regalen und an der Kasse. Was ist das schön und gesellig! Wenn da mal nicht eine ganz andere Sehnsucht als die nach monetärem Gewinn Bände spricht: Die Sehnsucht nach Wert-Beständigkeit von Gemeinschaft, Zusammenhalt, Achtung und Respekt, die mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen sind.