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| 10:03 Uhr

Eine Frage des Geldes

Revolutionen haben es meist an sich, dass sich etwas ändert. Der Ukraine zum Beispiel kommt im Zuge der noch laufenden Umwälzungen vermutlich eine Halbinsel abhanden, die so groß ist wie Brandenburg. ukr1

Auf der Krim, so haben es die neuen prorussischen Machthaber angekündigt, soll deshalb auch bald der Rubel rollen statt der ukrainischen Währung Griwna. Dass politische Entscheidungen oft eine Frage des Geldes sind, wissen die Deutschen spätestens seit der Wiedervereinigung, die bekanntlich ein Nebenprodukt der D-Mark-Währungsunion vom 1. Juli 1990 war. Wenn auf der Krim nun also der Rubel Einzug hält, dürfte der Wiedervereinigung mit Russland nichts mehr im Wege stehen. Das ist natürlich alles sehr zynisch dahergeredet, aber angesichts der zynischen Politik, die Ost UND West in der Ukraine betreiben, ist Zynismus das Gebot der Stunde. In Polen zum Beispiel könnte die Krim-Krise unvermutet dem Euro zum Siegeszug verhelfen. Zentralbankchef Marek Belka fordert, sein Land müsse möglichst schnell der europäischen Währungsunion beitreten. Nur in der Eurozone sei Polen gegen den russischen Imperialismus ausreichend geschützt.

Man kann das mit gutem Grund für übertrieben halten. Eher dürften amerikanische F-16-Bomber, die soeben nach Polen verlegt wurden, den Nato-Staat vor einem Einmarsch russischer Truppen bewahren als ausgerechnet europäisches Papiergeld. Ich vermute daher, dass Belka die Gunst der historischen Stunde in der Ukraine nutzen will wie einst Helmut Kohl im gerade noch geteilten Deutschland. Die Polen sind schon lange keine Freunde eines Euro-Beitritts mehr. Nun könnte die Angst vor Wladimir Putin die Zauderer überzeugen helfen.

So mag Belka rechnen. Eines muss man dem Zentralbanker allerdings lassen: Er denkt an das große Ganze statt an sich selbst. Persönlich wäre Belka einer der ersten Verlierer einer Währungsreform. Soeben nämlich hat die Nationalbank angekündigt, vom 7. April an neue Zloty-Scheine auszugeben. Sie sollen besser gegen Fälschungen geschützt sein. Ein Nebeneffekt ist jedoch, dass künftig Belkas Unterschrift auf den Banknoten prangen wird. Sie ersetzt den Schriftzug von Hanna-Gronkiewicz-Waltz, die bis zum Jahr 2000 Zentralbankchefin war.

Das wiederum zeigt, wie überfällig eine Erneuerung der Zloty-Scheine ist. Andererseits: Muss es ausgerechnet jetzt sein, inmitten einer osteuropäischen Revolution, von der niemand weiß, wie sie ausgeht? Vielleicht rollt der Rubel ja auch in den Abgrund, und die Russen zahlen bald mit dem Euro.