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| 19:56 Uhr

Kommentar Fall Khashoggi
Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Günther Marx
Günther Marx FOTO: MOZ
Es kommt schon mal vor, dass Gespräche anders verlaufen, als erwartet und in einem Eklat enden. Wenn aber ein Killerkommando samt Knochensäge anreist, kann man wohl nicht sagen, dass etwas aus dem Ruder gelaufen ist.

Deshalb ist die Erklärung aus Riad zum Tod des Regimekritikers Jamal Khashoggi nichts anderes als der zynische Versuch, den saudischen Machthaber Bin Salman aus der Schusslinie zu bringen, der im Verdacht steht, den Mord beauftragt zu haben. Beteiligt waren Personen aus seinem engsten Kreis, die nun als Sündenböcke herhalten müssen. Der Herrscher habe von nichts gewusst. So so.

Man sollte die Beziehungen zu Saudi-Arabien deshalb nicht abbrechen. Dafür ist das Land als strategischer Faktor in der Region und auf dem globalen Ölmarkt zu wichtig. Aber: Grenzen aufzeigen kann man schon. Es geht um Rüstungslieferungen oder die finanzielle Beteiligung am gigantischen Modernisierungsprojekt des Kronprinzen. Da muss einiges auf den Prüfstand. Illusionen über die deutschen und europäischen Einflussmöglichkeiten sind freilich fehl am Platz. Im Fall Skripal allerdings waren Europäer und die USA schnell mit Sanktionen gegen Russland bei der Hand – bei schwierigerer Beweislage. Wenn sie jetzt nicht handeln, haben sie ein Glaubwürdigkeitsproblem. ⇥politik@lr-online.de