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| 16:54 Uhr

Leitartikel EU-Staaten weisen russische Diplomaten aus
Eine besondere Gratwanderung

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Wer geglaubt hatte, nach den nicht eben demokratisch-lupenreinen Präsidentschaftswahlen in Russland würde sich das schwierige Verhältnis zwischen der EU und Moskau wieder langsam entspannen, sieht sich getäuscht. Die Ausweisung von russischen Diplomaten und Geheimdienstlern aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union sowie den USA wird die Beziehungen zwischen der internationalen Gemeinschaft und Russland zusätzlich belasten.

Richtig ist zweifellos, dass es Moskau an einem ernsthaften Willen zur Aufklärung des Giftanschlags in Großbritannien fehlen lässt. Wahr ist allerdings genauso, dass eindeutige Beweise für die ausschließliche Verantwortung des Kremls bislang fehlen. Und wenn der deutsche Außenminister Heiko Maas die Solidarität mit Großbritannien beschwört, dann fühlt man sich schmerzhaft daran erinnert, dass die Briten trotzdem den Brexit bevorzugen, sich also aus der solidarischen Europäischen Union verabschieden wollen.

Der jüngste Schritt gegen Russland ist jedenfalls eine besondere Gratwanderung. Man kann nur hoffen, dass sich Putin von der konzertierten Aktion am Ende doch beeindrucken lässt. Die allermeisten Staaten der EU lassen sich an dieser Stelle jedenfalls nicht auseinanderdividieren, wie es Putin womöglich gehofft haben mag. Auch stehen weitere Strafmaßnahmen gegen Russland im Raum, an denen der Kreml-Chef eigentlich kein Interesse haben kann. Insbesondere dann, wenn sie sich negativ auf die ohnehin schon schwächelnde Wirtschaft in seinem Land auswirken. Im vergangenen Jahr ist das russische Bruttoinlandsprodukt nur minimal gestiegen. Möglich allerdings auch, dass Putin den Helm noch fester schnallt und seine Landsleute auf Entbehrungen im „Kampf“ gegen den Westen einschwört. In diesem Fall würden wohl alle Beteiligten verlieren.