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| 19:44 Uhr

Leitartikel
Einbahnstraße der Aggressivität

Stefan Scholl
Stefan Scholl FOTO: MOZ
Trotz aller Beweise wird auch der Fall Skripal nur in einer neuen Sackgasse für das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen enden.

Aufgeflogene Geheimagenten haben oft etwas Komisches, vor allem, wenn es welche der Gegenseite sind. Die jüngst reihenweise enttarnten Cyber- und Giftstoffagenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU amüsieren sogar viele Russen. Wirklichen Grund zum Lachen gibt es allerdings für niemanden. Schon gar nicht angesichts des gescheiterten, aber für unschuldige Zufallsopfer doch tödlichen Kampfstoffanschlags auf Sergei Skripal. Man kann jetzt streiten, ob die beiden ertappten GRU-Exekutoren auf persönlichen Befehl Putins unterwegs waren, von eigenmächtigen Vorgesetzten losgeschickt oder gar mit dem Geld der „Russenmafia“ angeheuert wurden. Aber allen Beweisen zum Trotz wird Wladimir Putins offizielles Russland niemals zugeben, dass seine Geheimdienste etwas damit zu tun haben. So wie es nie eingestehen wird, dass seine Flak-Soldaten die MH17-Boeing über dem ukrainischen Donbass abgeschossen haben, dass seine Panzer dort die Kesselschlachten von Ilowaisk und Debalzewo veranstalteten. Und dass die Wiedervereinigung mit der Krim völkerrechtlich Annexion gewesen ist.

Russland ist überzeugt, dass gegenüber dem feindlichen Teil des Auslands Angriff die beste Verteidigung ist, ob auf Net-Server, per Facebook oder mit Nervengift. Es ist fest entschlossen, alle westlichen Proteste, alle Sanktionen auf den einmal eroberten Positionen auszusitzen. Hier und da einen Schritt vor, aber keinen zurück – Einbahnstraßenpolitik. Man kann den Westen für langjähriges Ungeschick, für Dummheit, vielleicht auch für Arroganz gegenüber Russland kritisieren. Aber daran, dass ein Großteil der gegenseitigen Beziehungen tief in der Sackgasse stecken, dafür ist der Kreml ziemlich allein verantwortlich.