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| 16:26 Uhr

Kommentar BGH hebt Mordurteil gegen Raser auf
Ein verheerendes Signal

FOTO: krohnfoto.de
Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes, das Mordurteil gegen zwei Berliner Raser wieder aufzuheben, beinhaltet eine verheerende Signalwirkung: Der Staat hat mal kurz gebellt, aber dann doch nicht zugebissen. Glück für die Täter. Pech für jene, die noch Opfer werden könnten.

Das Prinzip der Abschreckung, dass sich ja auch mit dem ersten Urteil verbunden hat, ist gestern wieder beiseite geschoben worden. Sicher, juristisch ist das wohl keine wirklich tragende Kategorie, nach der Richter die Dinge bewerten sollten. Und jeder hat ein Grundrecht darauf, ausschließlich nach dem Maß seiner Schuld bestraft zu werden.

Aber: Dem unbedingten Schutz der Schwächsten im Straßenverkehr haben die Richter offenbar zu wenig Bedeutung beigemessen. Außerdem darf ein Urteil auch immer im Lichte des Rechtsempfindens bewertet werden. Und das sagt einem in diesem Fall: Diejenigen, die auf einer der belebtesten Berliner Straßen, dem Kurfürstendamm, über mehrere Kilometer hinweg mit 170 Sachen ein Rennen veranstalten, dabei schon vor dem tödlichen Unfall Passanten gefährden, denen muss einfach klar gewesen sein, dass sie auch Menschen umbringen können. So besoffen kann man von der PS-Stärke seines tiefergelegten Schlittens doch nicht sein, um das nicht zu wissen. Milde ist bei illegalen Autorennen nicht angebracht – schon gar nicht dann, wenn sie tödliche Folgen haben für völlig Unbeteiligte.

Das gestrige Urteil dürfte die wahnwitzige Szene daher ermuntern, gleich morgen wieder durchzustarten. Deshalb ist der Gesetzgeber gefordert, erneut an der strafrechtlichen Schraube zu drehen. Gegen Raser aller Art. Damit auch der letzte PS-Junkie endlich den Fuß vom Gaspedal nimmt.