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Ein schlechter Deal

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Leitartikel. Donald Trump hat sich wie erwartet eines Schlechteren besonnen. Der Polit-Praktikant im Weißen Haus tritt das Pariser Klimaabkommen in die Tonne. Stefan Vetter

Zwar schwadroniert er von Nachverhandlungen. Aber das ist bizarr. Fast 200 Staaten tragen die Vereinbarung mit. Nach einem jahrzehntelangen diplomatischen Ringen. Mehr Verhandlung geht nicht. Das hat auch Angela Merkel am Freitag sichtlich verärgert klargestellt.

Trumps Provokation ist eine Kampfansage an die Welt. Seine Abkehr von der Reduzierung der Treibhausgase und Drosselung der Erderwärmung könnte auch das globale politische Klima nachhaltig beeinflussen - rechtsverbindlich geschlossene Abkommen scheinen plötzlich nichts mehr wert zu sein. Ein beängstigender Befund.

Trump führt sein Land zurück in die Vergangenheit. Die viel beschworenen Jobs in der amerikanischen Kohle-Industrie werden dadurch aber nicht zurückkommen. Das sagt dort sogar die Kohle-Lobby selbst.

Denn auch in den USA sind erneuerbare Energien auf der Gewinnerstraße. Weil Strom aus Sonne oder Wind billig geworden ist. Deutlich billiger als Strom aus fossiler Verbrennung. Ein guter Deal also, von dem Trump doch sonst bei jeder Gelegenheit schwärmt. Und längst investieren auch amerikanische Unternehmen kräftig in die sauberen Technologien.

So gesehen wird Trump seiner geschäftlichen Maxime untreu. Wer beim Klimaschutz bremst, der verschließt sich auch wirtschaftlichen Innovationen. Wer die Klimazeichen der Zeit nicht erkennt, der isoliert sich selbst. Und er schadet mittelfristig auch dem eigenen Land, das ihm doch angeblich - America first - so am Herzen liegt.

Was nun den großen Rest der Welt angeht, so könnten sich auch noch andere Länder ermutigt fühlen, aus den Pariser Verabredungen auszusteigen. Aber vielleicht formiert sich ja auch eine Bewegung nach dem Motto "Jetzt erst recht". Der Klimawandel ist schließlich kein Hirngespinst versprengter Öko-Freaks. Die Wetterkapriolen nehmen fast überall auf der Welt zu, die finanziellen Schäden übersteigen jede Vorstellung, und ein Zusammenhang mit den weltweiten CO- Emissionen ist wissenschaftlich erwiesen.

Auch große Schadstoffverursacher wie China oder Indien beginnen umzudenken. Indien zum Beispiel stoppte erst jüngst die Errichtung mehrerer Kohlekraftwerke und setzt stattdessen auf den Ausbau der Solarenergie. Das sind durchaus ermutigende Zeichen. Und Deutschland? Einst trug Angela Merkel den Beinamen "Klimakanzlerin". Aber dieser Nimbus ist weitgehend verblasst. Höchste Zeit, ihn wieder aufzupolieren.

Schon beim G-20-Gipfel Anfang Juli im Hamburg bietet sich eine gute Gelegenheit, neue Allianzen zu schmieden. Wenn sich das Wachstum erneuerbarer Energien durch Washington verlangsamt, muss eben Berlin mehr Tempo machen: Das Weltklima wird auch die Regierungsjahre von Donald Trump überstehen, weil die restliche Welt zusammenhält - das wäre eine gute Botschaft aus der Hansestadt. politik@lr-online.de