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Olympia
Ein Leuchtfeuer für Menschlichkeit

Ich kann meine Sympathie für die Olympia-Gegner in Ungarn nicht verhehlen. Das Nein zu den Spielen 2024 in Budapest ist vor allem eine politische Schlappe für den rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Und der stand keineswegs im Verdacht, aus dem sportlichen Großereignis ein Leuchtfeuer für Völkerverständigung, Fairness und Menschlichkeit zu machen. Doch gerade solche deutlichen Zeichen benötigen wir in diesen trüben Tagen voller Fremdenhass und Nationalismus. Die olympische Flamme hat tatsächlich die Kraft dazu, wieder mehr Wärme in die Herzen der Weltbevölkerung zu bringen. Sport kann Grenzen überwinden, wie zuletzt im Iran, als die Ringermannschaft des Erzfeindes USA trotz aller politischen Spannungen für ihre sportlichen Erfolge bejubelt wurde. Deshalb muss das Internationale Olympische Komitee (IOC) schleunigst einen Reformkurs finden, der die Spiele in naher Zukunft wieder für die westlichen Demokratien bezahlbar und vor allem akzeptabel macht. Sonst verlieren wir die Kraft der Spiele an jene Staatenherrscher, die möglicherweise noch radikaler gegen (Olympia)-Gegner vorgehen, als es Viktor Orban und seine Parteigenossen in Ungarn gerade tun.

jan.lehmann@lr-online.de