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| 18:37 Uhr

Kommentar zur Anklage von Winterkorn
Ein kleines Wunder

 Günther Marx
Günther Marx FOTO: MOZ
Es ist kaum zu glauben: Ein früherer Konzern-Chef ist im Diesel-Skandal angeklagt. Nach langen Ermittlungen muss die Staatsanwaltschaft etwas herausgefunden haben, das die Anklage von Martin Winterkorn quasi unumgänglich gemacht hat.

Ein kleines Wunder.

Als Konzernchef stehe man stets mit einem Fuß im Gefängnis, hat Winterkorns Nachfolger Matthias Müller einmal gesagt – und den Chefsessel ebenfalls geräumt. Aber damit liegt er falsch. Welcher Top-Manager hatte denn einmal mit harten Folgen zu leben? Keiner. Vieles macht einen dabei wütend. Beschuldigte Chefs gehen einfach in den Ruhestand und kassieren Millionen. Anklagen, etwa in den USA, bewirken hierzulande nichts. Milliarden für Strafen und Vergleiche bleiben folgenlos. Es wird gelogen und betrogen, gefälscht und vertuscht. Ausbaden müssen es Käufer, Bürger und Mitarbeiter.

Der Diesel-Skandal geht weiter und weiter. Die neuen Vorwürfe bei Daimler passen da gut ins Bild. Es wäre zu schön, wenn Führungskräfte wie Winterkorn einmal für das geradestehen müssten, was sie angerichtet haben. Wahrscheinlich ist es nicht.⇥politik@lr-online.de