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Ein kleiner Lichtblick

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Kinder kriegen die Leute von alleine, soll einst Konrad Adenauer gesagt haben. Eine Grundüberzeugung, die noch aus Zeiten stammt, da Eltern im eigenen Nachwuchs auch ihr ganz persönliches Auskommen im Alter sahen. Kommentar Stefan Vetter

Das hat sich aus vielerlei Gründen geändert.

Der allgemeine Wohlstand ist enorm gestiegen. Genauso wie der Drang nach Individualität und Selbstverwirklichung. Kinder blieben dabei zunehmend auf der Strecke. Deutschland zählt weltweit zu den Schlusslichtern bei der Geburtenrate. Wenn sich mit den jüngsten Daten nun womöglich eine gewisse Trendwende ankündigt, dann ist das gewiss erfreulich. Zu Euphorie besteht jedoch kein Anlass.

Nur um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, müsste jede Frau im Schnitt 2,1 Kinder gebären. Davon ist Deutschland nach wie vor weit entfernt. Und das trotz milliardenschwerer Ausgaben, um die Gründung von Familien zu erleichtern. Angefangen von kostenlosen Kitabesuchen über Kinderzuschlag bis hin zum Elterngeld und neuerdings auch Elterngeld plus. Das Beste, was sich über all diese Hilfen sagen lässt, ist, dass die Geburtenraten deshalb womöglich nicht noch stärker gesunken sind.

Aber es bedarf eben auch eines kinderfreundlichen Klimas in der Gesellschaft. Es braucht Arbeitgeber, die nicht gleich die Nase rümpfen, wenn Mütter oder Väter wegen ihres Nachwuchses eher gehen müssen. Notwendig sind Betreuungseinrichtungen mit möglichst langen Öffnungszeiten. Und es braucht Anwohner, die Kinderspielplätze als Bereicherung statt als Störfaktor empfinden. Nur in der Kombination aus guten materiellen und ideellen Bedingungen kann der Trend zu mehr Kindern an Fahrt gewinnen. Für die Renten der Baby-Boomer-Generation käme freilich auch diese Entwicklung zu spät. Es fehlt gewissermaßen ein großer Teil der beitragszahlenden Generation dazwischen. Auch das gehört zur nüchternen Betrachtung des jüngsten Geburten-Lichtblicks.

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