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| 18:40 Uhr

Ein Hoch auf den Diesel
Besser als sein Ruf

 Dorothee Torebko
Dorothee Torebko FOTO: lr / LR
Wenn es einen Preis für das unbeliebteste Wort gäbe, wüssten deutsche Autofahrer, wer ihn 2018 verdient hätte: der Diesel. Kein anderer Begriff hat die Bürger hierzulande so sehr aufgeregt wie das einstige Prunkstück der deutschen Ingenieurskunst.

Dabei ist der Diesel nicht so schlecht wie sein Ruf. Im Gegenteil. Es braucht diesen Antrieb – zumindest vorläufig – für die Verkehrswende.

Dass der Diesel in Verruf geraten ist, hat die Autoindustrie selbst zu verschulden. Doch nach drei Jahren der Diskussionen ist es nun an der Zeit zu schauen: Was hat sich seitdem getan? Ist der Diesel immer noch ein belastender Antrieb, der jetzt aus dem Verkehr gezogen werden muss? Nein.

Es ist eine Menge passiert: Die neuesten Generationen belasten die Umwelt dank Harnstoff­einspritzung wesentlich weniger als ältere Versionen des Selbstzünders. Dem aktuellen Ecotest des ADAC zufolge sind Diesel mit den Abgasnormen Euro 6d Temp sogar sauberer als vorgeschrieben. Sie halten die von der EU festgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte ein. Und noch viel mehr: Bei einigen Autos wie beim BMW 520d, Mercedes A 180 oder dem Opel Astra gehen die Emissionen gegen null. In Sachen Feinstaubbelastung und CO2-Ausstoß stand und steht der Diesel sowieso besser da als der Benziner.

Der Diesel kann auch gegenüber dem Elektromobil punkten, das bei Daimler und VW Hochkonjunktur hat. Die Automobilhersteller pumpen Milliarden in die Produktion und Entwicklung von elektrischen Fahrzeugen, um auf dem internationalen Markt nicht unterzugehen. Denn die Konkurrenz aus China hat dem Verbrenner schon lange abgeschworen und konzentriert sich auf das batteriebetriebene Gefährt. Doch so leicht ist der Übergang in die Zukunft nicht. Die E-Fahrzeuge kommen beim deutschen Kunden nicht an. Die Lieferfristen sind zu lang, die Reichweite zu gering, und es gibt zu wenig Strom-Ladepunkte. Außerdem ist die Herstellung der Batterien eine ökologische Katastrophe, sofern sie nicht aus regenerativem Strom erzeugt werden. Doch der saubere Diesel ist nur eine Übergangslösung, um die Luft in Städten auf Dauer stickoxid-, feinstaub- und CO2-freier zu machen. Denn kein Auto wird die Verkehrsprobleme lösen können. Das liegt daran, dass der Individualverkehr an Grenzen stößt. Das erleben Pendler täglich, wenn sie stundenlang im Stau stehen. Deshalb braucht es mehr innovative Konzepte wie digitale Sammeltaxis oder flexible Rufbusse. Aber auch Lösungen wie eine Städte-Maut und ein gut ausgebauter ÖPNV sind Bausteine einer Verkehrswende. Um diese zu schaffen, sollte der Diesel nicht verteufelt werden. Er lebt, und das zu Recht – noch.

politik@lr-online.de