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Leitartikel
Ein bisschen Theaterdonner

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: krohnfoto.de
Meinung | Berlin. Die Jamaika-Sondierungen und die Konflikte. Von Hagen Strauss

So schnell kann das gehen. In der vergangenen Woche war noch von „Tohuwabohu“, von Streit und von lautstarken Auseinandersetzungen unter den Jamaika-Sondierern die Rede. Und nun herrscht wieder gute Laune. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

 Nicht immer, wenn es rumst, verbergen sich dahinter handfeste Konflikte. Zu Sondierungen und Koalitionsverhandlungen gehört auch stets Theaterdonner, damit der Wähler und die eigenen Anhänger denken, man mache es sich extrem schwer. Das wiederum erleichtert es später, innerparteilich für Inhalte zu werben, die nicht die eigenen sind. Oder aber um Verständnis zu bitten, dass man Positionen räumen musste.

 Neben ein wenig inszeniertem Krach zeigt sich freilich schon, ein Jamaika-Bündnis ist schwieriger zu schmieden, als manch einer gedacht hat. Bei den meisten Zielen sind sich Union, FDP und Grüne zwar einig. Nur die Wege dorthin gehen vielfach in unterschiedliche Richtungen -  wie beim Thema Zuwanderung oder in der Klima- und Steuerpolitik. Und auch heute, wenn es um Landwirtschaft und Verkehr gehen soll, wird das so sein. Vieles passt nicht zusammen und kann auch nicht einfach passend gemacht werden.

 Dennoch: Ein Scheitern der Gespräche ist kaum noch vorstellbar. Dann hätte man schon längst die Notbremse ziehen müssen. Aber nach fast zwei Wochen Sondierungsgesprächen können sich das alle Beteiligten politisch nicht mehr leisten.

Bei Neuwahlen würden sie nur verlieren, denn der Wähler hätte wenig Verständnis dafür, dass er die Unfähigkeit der Jamaika-Verhandler ausbaden soll.

Die Parteien scheinen zudem endlich begriffen zu haben, dass sie vor allem einem Grundsatz folgen müssen: Nicht alles, was man im Wahlkampf an Forderungen erhoben hat, muss man am Ende auch durchsetzen. Das erwartet niemand.  

Und weil das so ist, werden die Sondierungen am Ende ein Erfolg werden.

politik@lr-online.de