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Die Zwischentöne verschwinden

FOTO: Michael Helbig
Kurzmitteilungen gibt es immer öfter analog. Was WhatsApp und Twitter können, übernehmen leider auch immer mehr echte Menschen. Sascha Klein

Letztens beim Bäcker: Ein Mann um die 50 steht vor mir, kommt an die Reihe und sagt: "Acht Brötchen". Kein "Guten Tag", kein "Ich möchte bitte". Womöglich hat der Herr miese Laune. Aber was, wenn nicht? Nächster Kunde: "Ein halbes Brot." Das hat der mehr zu sich genuschelt. Die Verkäuferin hat er dabei nicht angeguckt. Ich zweifle. Wenige Minuten später an der Tankstelle: Eine Frau steuert zielgerichtet die Kasse an. Ich lausche. Sie sagt nur: "Sechs!" Das Bezahl-Procedere beginnt. Sie meint Tanksäule sechs. Das ist kein Zufall. Das ist schon gängige Praxis. Immer weniger Menschen sprechen beim Bezahlen ganze Sätze, ganz abgesehen von irgendwelchen Höflichkeitsfloskeln. Die Zwischentöne bleiben langsam auf der Strecke - wie bei den Kurzmitteilungen. Schlimmer kommen kann es kaum. Oder doch? Halten wir dann nur noch Emojis hoch? Das ist ein furchtbarer Gedanke.