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| 19:13 Uhr

Kommentar zur Staustudie
Die vergeudete Zeit

 Dorothee Torebko
Dorothee Torebko FOTO: lr / LR
In 108 Stunden kann man 72 Fußballspiele gucken, über 100 Apfelkuchen backen oder sich 81 extrem lange Folgen der Serie Game of Thrones anschauen. Oder man kann im Stau stehen. 108 Stunden lang harrten die Stuttgarter 2018 wartend in ihrem Auto aus.

Damit stehen die Schwaben auf Platz fünf eines unrühmlichen Rankings, das die Verkehrsflüsse aufzeigt. Kein anderer Verkehrsträger sorgt für so viel Zeitverlust wie das Auto. Dennoch klammern sich viele Pendler an das Gefährt und vergeuden Zeit.

Sicherlich wird in diesen Tagen viel über die Deutsche Bahn geschimpft, dennoch bietet sie eine ordentliche Pünktlichkeitsquote. 80,1 Prozent der Fernzüge kamen nicht später als 15 Minuten an. In diese Statistik sind auch Zugausfälle und Ersatzzüge enthalten. Und: Im Gegensatz zum Auto können Fahrer in der Bahn lesen, arbeiten, essen. Auch der Flugverkehr ist kein so großer Zeitfresser: Flugreisende verlieren im Schnitt acht Stunden mit Warterei. Warum also am Auto festhalten?

Ganz einfach: Alle anderen Verkehrsträger sind trotz der Zeitersparnis nicht attraktiv genug. Wer sich morgens und abends in die überfüllte Bahn quetschen muss, anstatt allein im Auto zu sitzen, dem vergeht bald die Lust auf den ÖPNV. Wer von seinem Haus nicht einmal zum Bahnhof kommt, weil es keine Busverbindung gibt, steigt ins Auto. Es gilt also, attraktive Wege zu schaffen. Bahnhöfe müssen gut angeschlossen und sauber sein und Radschnellwege ausgebaut werden. Erst dann werden die Straßen freier und der Pendler entlastet. ⇥politik@lr-online.de