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| 18:52 Uhr

Leitartikel
Die Seelentöter

 André Bochow
André Bochow FOTO: MOZ
Auch in der DDR hat es sexuellen Missbrauch an Kindern gegeben. Noch versteckter, noch tabuisierter als in Westdeutschland. Es gab keine Selbsthilfegruppen, und wenn es um Vergehen an Kindern in staatlichen Einrichtungen ging, halfen auch Polizei und Justiz nicht. Von André Bochow

Diese Ohnmacht ist schrecklich und doch nur die Steigerung der Ohnmacht, die Missbrauchsopfer in katholischen, evangelischen, staatlich-westdeutschen Einrichtungen und überall in Deutschland in den Familien erlebt haben. Über Missbrauch reden zu können, ist sicher ein Fortschritt. Das Verbrechen am Kind ist damit nicht ungeschehen zu machen.

Missbrauch ist dabei schon das falsche Wort. Das klingt wie: Missgriff. Ein Versehen. Ist es aber nicht. Dabei wissen wir, dass Kinder, die von Erwachsenen sexuell benutzt und gequält werden, sehr häufig für immer gezeichnet sind. Das wissen auch die meisten Täter. Wie ist es nur möglich, dass sich Männer und manchmal auch Frauen im Internet oder auf dem Campingplatz dazu verabreden, Kindern, die Liebe, Vertrauen und Zuversicht brauchen, die Seelen zu zerstören?

In den meisten Fällen handelt es sich dabei keineswegs um krankhafte Triebtäter. Warum überhaupt glauben Menschen, ein Recht darauf zu haben, jeder sexuellen Gier nachgeben zu dürfen, selbst wenn sie das Leben von Kindern zerstören? Nicht selten das der eigenen Kinder.

Das zu verachten reicht nicht. Es muss verhindert werden. Und die Täter gehören ins Gefängnis.

⇥politik@lr-online.de