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| 20:13 Uhr

Kommentar Streit um Sahra Wagenknecht
Die linke Krankheit

André Bochow
André Bochow FOTO: MOZ
Die Linke präsentiert sich tief gespalten. Die Kritik an Sahra Wagenknecht und ihrer Sammlungsbewegung spitzt sich zu. Von André Bochow

Was für eine großartige Situation für die Linkspartei! Bei allen Schwierigkeiten: Die Linken müssten triumphieren und Zulauf haben. Die SPD löst sich auf, bei den Grünen würde sich kaum noch jemand als links bezeichnen, Rassismus und Nationalismus erfordern geschlossenes linkes Handeln, und viele soziale Probleme rufen nach Lösungen. Ein Heimspiel für demokratische  Sozialisten. Und was passiert? Die Linken zerlegen sich.

Eitelkeiten, Größenwahn, Realitätsverlust an Partei- und Fraktionsspitze dominieren und lassen die harte Arbeit vieler Basis-Genossen vergessen.

Sahra Wagenknecht verfolgt eigene Wege mit ihrer Sammlungsbewegung, die möglicherweise dazu bestimmt ist, die Linkspartei zu zerstören, um später selbst unterzugehen. Die Parteivorsitzenden schauen zu. Dabei ist der Riss, der durch „Die Linke“ geht, der Riss, den die gesamte Gesellschaft kennt. Dabei geht es keineswegs nur um Migration und Flüchtlinge, sondern um das Verhältnis zu Globalisierung insgesamt. Zu Europa. Oder eben um das Verhältnis zum Nationalstaat. Die Meinungsverschiedenheiten, die es da gibt, sind keineswegs gering. Aber wo steht geschrieben, dass Meinungsunterschiede nicht auszuhalten sind? Wer glaubt, die absolute Wahrheit gepachtet zu haben, irrt auf jeden Fall. Widersprüche kann man produktiv machen.

Doch die Linken, die uns alle ja in eine bessere Gesellschaft führen wollen, zerstören sich lieber selbst, als auch nur einen Fußbreit von der jeweiligen eigenen Ansicht abzuweichen. Die alte, linke Krankheit. Der Genosse wird zum Feind. Und wird bekämpft. Koste es, was es wolle. ⇥politik@lr-online.de