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| 02:41 Uhr

Die Herrscherin von Bangladesch

FOTO: dpa
S h eikh Hasina lässt sich die Macht nicht streitig machen. Die alte und wohl auch neue Premierministerin Bangladeschs sicherte den Sieg ihrer Partei Awami-Liga am Sonntag schon vor der ersten Stimmabgabe, sie hält ihre stärkste politische Gegnerin Khaleda Zia faktisch unter Hausarrest und viele andere Oppositionsgrößen hinter Gitter. dpa/roe

Mehr als die Hälfte der Sitze ging wegen des Boykotts ohne Gegenkandidaten an die Awami-Liga. Insgesamt hat die Partei von Hasina 232 der 300 Sitze erhalten, wie die Wahlkommission am Montag mitteilte. Mit der Zweidrittelmehrheit kann die Partei Verfassungsänderungen durchsetzen.

Auch ihre Regierungsmannschaft hat die 66-Jährige fest im Griff. "Die Entscheidungen in diesem Land werden von einer einzigen Person gefällt - was andere sagen, ist absolut vernachlässigbar", sagt ihr politischer Gegner Moyeen Khan, Mitglied des ständigen Ausschusses der größten Oppositionspartei BNP.

Die studierte Literaturwissenschaftlerin Hasina stammt aus einer politischen Familie. Ihr Vater Sheikh Mujibur Rahman, der "Vater der Nation", gründete die Awami-Liga, die das Land in die Unabhängigkeit führte. 1975 wurde er ermordet, seine Tochter übernahm das politische Erbe. "Die armen Menschen auf dem Land sind meine Angehörigen, denn ich habe 1975 fast alle verloren - Eltern, Brüder und Verwandte", sagte sie einst. Hasina und ihre beiden Kinder überlebten das Attentat nur, weil sie sich damals in Deutschland aufhielten.

In den folgenden Jahren der Militärherrschaft wurde Hasina von ihren politischen Gegnern mehrfach ins Gefängnis gesteckt. Doch sie kämpfte weiter, bis sie es 1996 zum ersten Mal zur Premierministerin schaffte. Bei der nächsten Wahl scheiterte sie daran, nicht für ausreichende öffentliche Sicherheit gesorgt zu haben. 2004 entkam sie selbst nur um ein Haar einer Attacke mit einer Handgranate. Seit 2008 regiert sie erneut.

In ihrer Partei hat sie jüngeres Personal aufgebaut. "Sie selbst würde gerne in den Ruhestand gehen und meint, die Jüngeren müssten übernehmen", meint Dipu Moni, Vize-Geschäftsführerin der Awami. Doch denke die Partei derzeit nicht über eine Alternative nach. "Es gibt viele Anführer, aber nur sehr wenige Staatsmänner", meint Mo ni.