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| 16:18 Uhr

Die EU und der Lkw-Diesel
Weitblick gefragt

Es ist überfällig, dass die EU sich des Diesel-Verbrauchs von Lastwagen annimmt. Erstmals überhaupt will sie vorschreiben, dass der Kraftstoffverbrauch drastisch gesenkt wird. Das ist aus mehreren Gründen sinnvoll. Anders als im Pkw-Bereich sind die Ingenieure bei der Suche nach alternativen Antrieben im Lastwagen-Segment noch nicht so weit voran gekommen. Das hat zwar sicher auch technische Gründe: Für Speditionen etwa sind hohe Reichweiten von fundamentaler Bedeutung. Außerdem ist es für sie undenkbar, lange Wartezeiten zum Nachladen der Batterie einzukalkulieren. Aber auch der Gütertransport auf der Straße muss sich langfristig nach einer Alternative zum Öl umschauen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die EU mit kluger Regulierung durchaus dazu beitragen kann, Zukunftstechnologien zu identifizieren und zum Durchbruch zu verhelfen. Von Markus Grabitz

Die Betonung liegt aber auf kluger Regulierung. Im Pkw-Bereich erleben wir gerade, dass verbindliche Verbrauchsobergrenzen von den Herstellern auch deswegen nicht eingehalten werden können, weil auf dem Markt unvorhersehbare Entwicklungen eingetreten sind: Der Trend der Verbraucher zu SUV-Spritschleudern sowie der Einbruch der Diesel-Absatzzahlen als Folge des Skandals mit Schummel-Software und drohenden Fahrverboten führen dazu, dass die aufgestellten CO²-Ziele für 2020 schwer erreichbar sind. Und das, obwohl die Hersteller ihre technologischen Hausaufgaben machen.

Daraus muss die EU bei der anstehenden Regulierung von Lastwagen Konsequenzen ziehen. Brüssel erweist Verbrauchern, Umwelt und Herstellern den besten Dienst, wenn die Ziele folgende Kriterien erfüllen: Sie müssen erstens so ambitioniert sein, dass sie der Industrie zu technologischen Fortschritten verhelfen, die europäischen Lastwagen auf den globalen Märkten einen Wettbewerbsvorteil einbringen. Sie dürfen den Herstellern zweitens aber auch nur wirtschaftlich machbare Hürden setzen. Und drittens muss alles technologieneutral sein. Im Lkw-Markt gilt noch mehr als bei Pkws: Welche Zukunftstechnologie am Ende das Rennen macht ist nicht absehbar.