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Die Entscheidung Donald Trumps widerspricht jeder Vernunft

Die Entscheidung Donald Trumps widerspricht jeder Vernunft. Sie lässt humanes Denken ebenso vermissen wie gesunden Menschenverstand, und selbst, wenn man es allein an ökonomischen Kriterien messen würde, macht sie keinen Sinn. Frank Herrmann

Die "Dreamer", die Kinder illegaler Einwanderer, nachträglich dafür zu bestrafen, dass sie im Schlepptau ihrer Eltern ohne Visum oder Greencard ins Land kamen, dient einem einzigen, einem politischen Ziel. Trump, der überforderte Präsident, dem sonst kaum etwas gelingt, will dem harten Kern seiner Anhänger einen Erfolg präsentieren. Seine Adressaten sind jene, die ihm zujubelten, als er die Parole ausgab, Amerika wieder groß zu machen, sprich: es zurückzuführen in alte Zeiten, in denen Migranten aus Lateinamerika eher die Ausnahme waren.

Abgesehen davon, dass die Nostalgieparole dem Realitätstest sowieso nicht standhält, bricht der amerikanische Staat ein Versprechen, das er den "Dreamern" gab. Die haben sich, oft hochmotiviert, eingelassen auf Barack Obamas Präsidentendekret. Auf eine Regelung, die sie endlich herausholte aus der juristischen Sackgasse. Legal arbeiten, studieren, Karrieren planen zu können, befreit vom Damoklesschwert der Abschiebung, das bis dahin über ihren Köpfen geschwebt hatte: Diese Hoffnung ging 2012 mit Obamas Vorstoß in Erfüllung.

Die "Dreamers" wagten sich dafür aus der Grauzone, und nun werden sie bitter bestraft - falls der Kongress entgegen allen Erwartungen nicht doch noch einen Kompromiss findet, der ihnen das Bleiben ermöglicht. Uncle Sam weiß jetzt, wo sie wohnen. Die Behörden dürften leichtes Spiel haben, wenn es darum geht, sie zu deportieren in Länder, die sie allenfalls von Besuchsreisen kennen. Was für eine schreiende Ungerechtigkeit!