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| 18:55 Uhr

Kommentar
Wie geschmiert

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: krohnfoto.de
Bayern wieder groß machen – „Make Bavaria great again“, das hätte über der Regierungserklärung des neuen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder stehen können. „Greater“ auch als Berlin. Von Hagen Strauss

 Bayern ist toll, Bayern ist super, und unter Söder wird der Freistaat für alle noch schöner. Kurzum: Der Nachfolger von Horst Seehofer hat gestern lediglich den Landtagswahlkampf eröffnet. Aber eines muss man den Bajuwaren lassen: Nach ihrem monatelangen innerparteilichen Kleinkrieg um ihre Spitzenämter läuft die CSU-Maschinerie jetzt wieder wie geschmiert. Im Land und im Bund. Machtkampf entschieden, Reihen fest geschlossen. Bis zur Landtagswahl. Dann könnte der Friede schnell wieder vorbei sein.

 Während Söder in Bayern klar in Abgrenzung zur Berliner Regierung auf Stimmenfang gehen will, was freilich immer schon so gewesen ist, sekundieren ihm in der Hauptstadt vor allem zwei Politiker. Zum einen Seehofer. Fest entschlossen, in der inneren Sicherheit und bei der Begrenzung der Zuwanderung klare Kante zu zeigen. Die von ihm entfachte Debatte über den Islam war zwar aus koalitionsinterner Sicht ein Fehler, weil er damit erheblich zum Fehlstart der Groko beigetragen hat. Inzwischen muss man neidlos anerkennen, dass Seehofer in den ersten fünf Wochen der neuen Groko zu den Aktivposten an Merkels Kabinettstisch gehört hat. Jedenfalls, was die öffentliche Wahrnehmung angeht. Und die ist in Wahlkampfzeiten die wichtigste Währung für die CSU.

Der zweite im Bunde ist Alexander Dobrindt. Der CSU-Landesgruppenchef hat die alten Tugenden der CSU wiederentdeckt. Er poltert, und er ist hart im politischen Umgang mit Freund und Feind. Das mag viele nerven. Aber anders ist für die CSU wohl kaum ein Start zu machen – in Berlin nicht und in München nicht.
politik@lr-online.de