ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:55 Uhr

Kommentar
Die Christsozialen und die Kanzlerin

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: Redaktion / LR
Das ist schon großes Kino, das die CSU und die Kanzlerin in Nürnberg geboten haben. Mit etwas Spott könnte man auch sagen: Großes Tennis, wie sich Horst Seehofer und Angela Merkel die Bälle fast liebe-, aber vor allem humorvoll zuspielten. Ist nun alles wieder gut an der Unionsfront? Wohl kaum.

Was Merkel und die bayerische Schwesterpartei jetzt so zusammenschweißt, ist zunächst eine zentrale Erkenntnis: Der bitterböse Streit um die Obergrenze und die fehlende Geschlossenheit der letzten Monate waren die Hauptursache für das schlechte Abschneiden der Union im Allgemeinen bei der Bundestagswahl, und der CSU im Besonderen in Bayern. Aber in Wahrheit sind die CSU‘ler weiß Gott nicht mehr die großen Merkel-Freunde wie noch vor einigen Jahren. Und Schuld daran trägt eben insbesondere Horst Seehofer, der den Konflikt mit der Kanzlerin um die Flüchtlingspolitik immer wieder neu angefacht hat, um sich dann doch wenige Wochen vor der Wahl wieder an sie zu schmiegen. Sein Amt als Ministerpräsident ist er deshalb bald los. Merkel wird aller Voraussicht nach Kanzlerin bleiben. So gesehen ist sie als Gewinnerin der fast über zwei Jahre geführten Schlacht nach Nürnberg gereist. Darüber hinaus lassen die anstehenden Sondierungen mit der SPD in Berlin die Union wieder enger zusammenrücken. So, wie das zuvor schon bei den Jamaika-Gesprächen der Fall gewesen ist. Von einem neuen Unionsgeist war damals sogar die Rede. Bleibt die Frage, wie lange dieser Geist CDU und CSU umwehen wird. Schließlich hat der neue starke Mann der Bayern, Markus Söder, den Auftrag, die absolute Mehrheit im Freistaat zu verteidigen. Söder weiß genau, gegen wen er sich profilieren muss, um bei der Landtagswahl wichtige Pluspunkte zu sammeln – gegen Berlin, gegen Merkel. Die ungemütlichen Zeiten für die Kanzlerin werden daher wiederkommen.