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| 19:38 Uhr

Kommentar Häusliche Gewalt
Die Barbarei daheim

André Bochow
André Bochow FOTO: MOZ
Was geht in Männern vor, die ihre Frauen schlagen, treten,  demütigen? Oft immer wieder. Warum leben Frauen – und ja, sie sind in aller Regel die Ofer – bei Männern, vor denen sie Angst haben. Von André Bochow

Manche bleiben, bis sie von diesen Männern ermordet werden. Hunderttausendfach bricht Gewalt im sogenannten Zuhause Bahn. Hunderttausendfach wird das verheimlicht. Oft von den Opfern selbst. Die Regierung will mehr Geld in Hilfe stecken. In Notfalltelefone, Frauenhäuser, Aktionsprogramme. Das ist natürlich zu begrüßen.

Aber das  reicht nicht.  Die Lösung des häuslichen Gewaltproblems findet sich dauerhaft in der Erziehung, in der Beseitigung von Rollenbildern, und überall dort, wo man damit aufhört, Frauen wie Objekte zu behandeln. Die Metoo-Debatte hat gezeigt, wie verbreitet sexuelle Übergriffe im Arbeits-und Alltagsleben sind. Aber sie hat in den Hintergrund gedrängt, dass Frauen daheim oft noch Schlimmeres widerfährt. Die Ehe, die Beziehung, die Wohnung – alles Privatsache.  Aber häusliche Gewalt ist keine. Doch das ist leicht gesagt. Sich einzumischen, ist viel schwerer.

Wie verhält man sich, wenn man die Nachbarin im Hausflur trifft, die eine Sonnenbrille und einen Schal vor dem Mund trägt, damit niemand ihr zerschlagenes Gesicht sieht?  Zeigt man ihren prügelnden Mann an? Auch wenn die Frau sagt, da war nichts?  Keine leichte Entscheidung. Aber das Mindeste zu tun, ist nicht so schwer. Solidarität mit dem Opfer zu zeigen und dem Schläger damit  klarzumachen, es wird nicht weggeschaut, es drohen Konsequenzen.

⇥politik@lr-online.de