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| 18:10 Uhr

Dialog mit den Bürgern
Cottbus braucht einen neuen Aufbruch

Oliver Haustein-Teßmer
Oliver Haustein-Teßmer FOTO: LR / Sebastian Schubert
Cottbus. Cottbus ist bekannt für Konflikte zwischen Einheimischen und Migranten. Nun wirbt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Cottbus für Toleranz. Damit aus seiner Rede ein Erfolg der Demokratie erwächst, sind nun die Lausitzer Politiker gefragt. Von Oliver Haustein-Teßmer

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Auftritt in Cottbus als Mutmacher für diejenigen, die sich für ein friedliches Miteinander – zwischen Einheimischen und Flüchtlingen insbesondere – einsetzen, ist ein starkes Signal. Es zeigt Unternehmern, Lehrern, Funktionären oder Kommunalpolitikern: Ihr Einsatz für das Gemeinwohl wird wahrgenommen.

An anderer Stelle bewirkt das Signal wenig. Zwar gibt es seit 20 Jahren das Netzwerk Tolerantes Brandenburg, dessen Jubiläum Steinmeier in Cottbus mitgefeiert hat. Jeder, der daran teilhat, versteht, dass Toleranz den Zusammenhalt wahrt. Aber es gibt zunehmend Menschen, denen solche Werte nichts sagen.

Steinmeier betont, niemand habe die Absicht, in Cottbus etwas unter den Tisch zu kehren. Genau das nimmt mancher Einwohner der Stadtspitze nicht mehr ab. Zu lange haben Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und die demokratischen Parteien mit Gesprächsangeboten an alle Bürger gewartet. Dadurch haben Propagandisten des Hasses und vermeintlicher Alternativen leichtes Spiel. Ihre Parolen verfangen bei besorgten Bürgern, denen die Orientierung fehlt.

Es geht ja nicht nur um Migranten. Es geht um eine lebenswerte Zukunft in der Lausitz für alle, die hier bleiben wollen. Diesen Menschen zuzuhören ist der Anfang. Sie weiterhin nicht allein zu lassen, die langwierige Aufgabe. Wird sie mutig angegangen, kann daraus ein neuer Cottbuser Aufbruch erwachsen, der über die Region hinaus wirkt.