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| 01:04 Uhr

Des Anderen Last

Es heißt, es habe schon Naturkatastrophen mit mehr Opfern gegeben. 1959 in China zum Beispiel, als nach Überschwemmungen bei langen Regenfällen zwei Millionen Menschen starben. Doch die Flut in Südasien ist anders. Seit Weihnachten ist sie Medienthema Nummer eins.

Milliarden von Menschen wurden an den Fernsehgeräten und im Internet zu Zeugen einer der größten Katastrophen der Menschheit. Wie schlimm es war, ließ sich an der verzweifelten Gestik und Mimik von Korrespondenten und Berichterstattern ablesen - Journalisten-Kollegen, die glaubten, sie hätten schon das Schlimmste gesehen, suchten vor der Kamera mühsam nach Worten. Die Bilder des Grauens haben die Welt schockiert - meistens an den Fernsehschirmen.
Jetzt, zwei Wochen später, beginnen sie zu verblassen. Man hat mit den Überlebenden mitgelitten, hat den Schmerz und die Trauer miterlebt, von denen fremde Menschen im eigenen Land oder in der Ferne betroffen waren.
Dabei ist die Spendenbereitschaft der Deutschen so groß wie nie. Und nur Zyniker behaupten, dass das aus schlechtem Gewissen heraus gegenüber den Ärmsten der Welt geschah. Denn unter den Spendern befinden sich auch viele, die nicht gerade ins übliche Klischee der bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft passen. Doch hinter der ungebrochenen Spendenbereitschaft verbirgt sich noch etwas anderes, Wesentlicheres. Das Bild der Deutschen in der Welt hat sich gewandelt, weil auch wir uns verändert haben. Wir sind nicht mehr die drögen, egoistischen Technokraten, für die man uns lange, und manchmal auch gern, gehalten hat. In diesen Tagen stehen wir an der Spitze einer globalen Solidaritätsbewegung.
Gerade jetzt spüren wir, dass es nicht ausreicht, die idyllischen Orte der Erde nur als Relax-Stationen unseres eigenes Wohlbefindens anzusehen. Viele Menschen haben gerade in den letzten Jahren erkannt, dass wir ein Teil dieser Welt sind, deren Probleme nur gemeinsam gelöst werden können. Ein respektvoller Umgang mit der Natur gehört ebenso dazu wie das Angebot Potsdamer Wissenschaftler, das lebensrettende Frühwarnsystem für Asien zu konstruieren.
Die Bereitschaft, von unserem Wohlstand etwas abzugeben, wenigstens ein Stück der „Last des Anderen“ zu tragen, zählt zu den guten Nachrichten des neuen Jahres.