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| 17:48 Uhr

Kolumne
Schnee von gestern

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Redaktion / LR
Wenn der Neumarkt um die Frauenkirche Dresdens gute Stube ist, dann ist das Königsufer Dresdens Wintergarten. Schön wäre es jedenfalls, doch leider fehlt für das Wintervergnügen eine Zutat, die immer schwerer zu haben ist: Schnee. Von Christine Keilholz

Was den betrifft, sind die Zeiten mehr als schlecht. Schnee war lange nur Bückware, heute aber nützt das Bücken auch nichts mehr. Selbst ältere Jahrgänge können nicht mehr sagen, wann es das letzte Mal schneite. In jedem Winter, der warm und trocken bleibt, gehen Gerüchte um. Es heißt dann, der ganze Schnee werde heimlich in den Westen verkauft, gegen Devisen. Weil es nämlich drüben schon viel länger nicht mehr schneit.

Und wenn tatsächlich mal einer läuten hört, dass es irgendwo angeblich Schnee geben soll, dann holen gleich alle den Schlitten und stellen sich einer alten Tradition folgend in die Schlange. Nur für den Fall, dass es stimmt. Aber auch das ist Schnee von gestern. Denn mittlerweile kriegen selbst Leute, die Beziehungen haben, kein Flöckchen mehr ab. Generationen von Kindern kennen Schnee nur noch aus der vorweihnachtlichen Parfumwerbung. Aber das ist dann eben Plasteschnee.

An diesem Wochenende richtet Dresden zum ersten Mal den Weltcup im Skilanglauf aus. Für dieses Event wäre richtiger Schnee schön gewesen. Aber zur Not geht es auch ohne. Denn was nicht da ist, kann man liefern lassen. Seit Donnerstag rollt deshalb der Schnee in Lastern ans Königsufer.

4000 Kubikmeter hat die Stadt geordert. Das ist für ein handfestes Wintervergnügen nicht gerade viel – aber viel wird auch nicht gebraucht. Es geht schließlich nur um eineinhalb Kilometer Piste an der Elbe, auf der gelaufen werden soll. Der Schnee kommt vom Flughafen Dresden, wo seit Wochen extra für den Wettkampf produziert wird. Das weiße Wunder an der Elbe dürfte das eigentliche Spektakel an diesem Wochenende werden.