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| 02:43 Uhr

Der Sieger nimmt alles

Di e Vertrauensabstimmung im ukrainischen Parlament am Dienstag war ein herber Rückschlag für die Opposition. Tagelang hatte es so ausgesehen, als befinde sich das Janukowitsch-Regime im freien Fall. Ulrich Krökel

Als die Abgeordneten gestern jedoch zum Schwur gebeten wurden, zuckten die Janukowitsch-Leute vor der Tat zurück.

Der Grund dafür ist offensichtlich. Die Spielregeln der ukrainischen Politik besagen seit 20 Jahren, dass nur die Sieger überleben. "The winner takes it all", lautete schon 2010 bei der Präsidentenwahl die Devise: Der Gewinner bekommt alles. Damals siegte Janukowitsch. Seine Erzrivalin Julia Timoschenko verlor knapp. Wenig später ließ der Triumphator die Gescheiterte einkerkern. Vor einer Schubumkehr fürchten sich nun existenziell die Janukowitsch-Leute. Verlieren wir, landen wir im Knast - oder zumindest im machtpolitischen Abseits. So wird in der Ukraine gerechnet. Deswegen auch kann die Opposition nicht auf politische Logik oder gesunden Menschenverstand rechnen, sondern nur auf den Kampf um Sieg oder Niederlage. Eine Chance, das Land zu befrieden, hätte vermutlich nur der, der glaubwürdig für einen Ausgleich eintritt. Derzeit ist niemand in Sicht, der das leisten könnte - auch Vitali Klitschko nicht. Denkbar ist durchaus, dass er nach einer Machtübernahme in der Lage wäre, die Streitparteien an einen Tisch zu bringen. Derzeit jedoch kämpft er ausschließlich gegen die autoritäre Regierung. Und das ist auch gut so .

politik@lr-online.de