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Leitartikel zur CSU und ihrer künftigen Ausrichtung
Der Nimbus bröckelt

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: krohnfoto.de
So schnell werden die aufgerissenen Gräben in der CSU nicht zuzuschütten sein. Zumal die Scharmützel der vergangenen Monate zu Verletzungen geführt haben, die lange nachwirken werden. Von Hagen Strauß

Selbst wenn es gelingen sollte, alsbald die Reihen zu schließen, dann ist noch lange nicht ausgemacht, dass auch der Wähler den Christsozialen wieder folgen wird. Der Vertrauensverlust vieler Bürger in die CSU ist riesig. Mitverursacher ist ohne Zweifel Horst Seehofer, der einen großen, strategischen Fehler begangen hat: Erst ist er Kanzlerin Angela Merkel monatelang wegen ihrer Flüchtlingspolitik massiv angegangen, um dann plötzlich den Schalter auf Friede und Freude umzustellen. Zahlreiche Wähler haben ihm und seiner Partei die plötzliche und krude Kurskorrektur zu Recht nicht abgenommen. Die Quittung gab es bei der Bundestagswahl.

Einen anderen Grund für ihre Talfahrt will die CSU immer noch nicht wahrhaben: Ihr Nimbus der Volkspartei, in diesem Fall einer regional begrenzten, bröckelt. Bisher haben die Christsozialen ziemlich orientierungslos darauf reagiert. Mal wollten sie deutlich mehr nach rechts rücken, um den neuen Hauptkonkurrenten AfD klein zu halten, mal am liebsten in der Mitte bleiben, um weiterhin dem alten Anspruch von Laptop und Lederhose gerecht zu werden. Nur: Beides lässt sich politisch – wenn überhaupt – nur mit sehr viel Geschick vereinbaren. Und einvernehmlich. Beides fehlt.

Wer immer künftig die Christsozialen in welcher Funktion führen wird, die Partei braucht endlich eine klare Linie und ein Ende der Sprunghaftigkeit. Auch muss die lähmende und quälende Selbstbespiegelung aufhören. Schließlich geht es nicht nur um die Verteidigung der absoluten Mehrheit im Freistaat. Sondern auch um den Einfluss in Berlin. Und ganz am Ende irgendwo auch noch um die Bürger.