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| 02:42 Uhr

Der neue politische Dominator Serbiens

FOTO: privat
A leksandar Vucic ist seit den Wahlen am vergangenen Sonntag mit absoluter politischer Macht ausgestattet: in Serbien und seiner Hauptstadt Belgrad. Hinter dem Zwei-Meter-Mann liegt trotz seiner jungen 44 Jahre schon eine politische Karriere von einem Vierteljahrhundert. dpa/roe

In dieser Zeit hat der Jurist, der sich selbst als schwierig bezeichnet, eine radikale Wandlung vollzogen. Vom extremen Nationalisten hat er sich zum Demokraten und glühenden Europäer gehäutet. Das hat er mit dem "Recht auf Fehler" begründet.

Der Weinsammler und Basketballfan stößt trotz seines Wahltriumphes nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Der Psychologe Zarko Trebjesanin beschrieb das politische Denkschema von Vucic in der größten Zeitung "Blic" so: "Wer uns nicht unterstützt, ist ein Gegner Serbiens und ein Volksfeind; unsere Leute sind gut, die anderen böse. Diese Schwarz-Weiß-Vorlage funktioniert gewöhnlich." Der bisherige Wirtschaftsminister Sasa Radulovic spricht Vucic schlicht "die Fähigkeit und den Willen" zu tiefgreifenden Reformen ab.

Den zukünftigen Regierungschef Vucic, der auch Vorsitzender der mit absoluter Mehrheit ausgestatteten "Fortschrittspartei" (SNS) ist, ficht das nicht an. Der Spitzenpolitiker, der sich nach eigener Darstellung mehrmals in der Woche mit Aufbaumitteln fitspritzen lässt, will das Land "zum Wohle zukünftiger Generationen" von Grund auf reformieren. Die Erfolge dieser Politik sollen schon in der Mitte der Legislaturperiode in zweieinhalb Jahren sichtbar sein, versprach er in der Wahlnacht.

Der Jurist Vucic schätzt die Politik und Wirtschaft in Deutschland. Eine Herzensangelegenheit war für den Spitzenpolitiker in den vergangenen Wochen eine angebliche Großinvestition von Mercedes in Serbien. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um den Kauf von Bus-Chassis der Belgrader Firma Ikarbus von Mercedes.

In seiner politischen Karriere war Vucic ein Einzelkämpfer, der sich am Ende immer gegen Konkurrenten durchsetzte. Zuletzt hatte er seinen politischen Ziehvater Tomislav Nikolic in das einflusslose Amt des Staatspräsidenten abgeschoben. Entscheidend über Erfolg oder Misserfolg der Vucic-Regierung dürfte sein, ob er fachlich qualifizierte Mitarbeiter um sich sammeln kann.