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| 22:44 Uhr

Leitartikel Energiewende in der Lausitz
Der Kohleausstieg ist kein Grund für Neiddebatten

Jan Siegel
Jan Siegel FOTO: LR / Sebastian Schubert
Die Ministerpräsidenten aus Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt machen der Bundesregierung die Rechnung auf, was der Kohleausstieg kosten wird. Das ist legitim. Aber machen wir uns auch nichts vor: Das Szenario kommt nicht  plötzlich wie eine Naturkatastrophe.

Es war absehbar – wenn wir ehrlich sind – seit Jahren. Und darauf mussten sich auch Dietmar Woidke, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff einstellen. Recht haben sie, wenn sie darauf verweisen, dass der Kohleausstieg eine gesamtdeutsche Aufgabe ist.

Warum sollte es in einem wirtschaftlich so starken Land wie Deutschland nicht gelingen, die Herausforderung zu meistern, wenn alle an einem Strang ziehen. Was wir nicht brauchen können, ist eine Neiddebatte nach dem Motto: „Jetzt heulen die Ossis wieder.“ Das ist dummes Zeug. Deutschland galt einmal als Vorreiter, wenn es um den Klimaschutz ging. Schon dabei hat Ostdeutschland die größten Opfer gebracht. Man muss nur an das Ende fast der gesamten Textilindustrie in der Lausitz denken.

Der Kohleausstieg braucht unkonventionelle Ideen, wenig Bürokratie, viel Kreativität und bei aller klimarettenden Unvermeidlichkeit auch das nötige Augenmaß. Rein ideologisch motivierte Schnitte sind gefährlich, auch mit Blick auf die politische Zukunft dieses Landstrichs. Alleine können die Regionen diese Aufgabe nicht stemmen. Es bleibt eine nationale Aufgabe.

⇥jan.siegel@lr-online.de