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| 19:26 Uhr

Der große Xi beim kleinen Kim
Die Welt wird auf eine Lösung warten müssen

 Günther Marx
Günther Marx FOTO: MOZ
Diesmal ist es andersrum und gerade deshalb als demonstrative Geste zu verstehen – Richtung Washington. Reiste allein im vergangenen Jahr Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un viermal nach Peking, kommt diesmal Chinas Staatschef Xi Jinping nach Pjöngjang.

Nordkorea, wegen seiner Raketenpolitik auch für China ein schwieriger Partner, steht in seinem Konflikt mit den USA nicht allein. Das ist die Botschaft. Und da Donald Trump mit seinen Strafzöllen auch China unter Druck setzt, erfolgt dessen Wiederannäherung an den kleinen Nachbarn beinahe automatisch.

Doch ist das Thema um die nordkoreanische Atomrüstung in der Substanz auch nach den spektakulären Gipfeltreffen zwischen Kim und Trump in der Sache keinen Schritt weitergekommen. Zwar lässt es Trump auch weiterhin an warmen Worten für den Nordkoreaner nicht fehlen, der Dissens über Schrittfolge und Reichweite der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel im Gegenzug für die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Norden aber bleibt.

Was sich verändert hat, ist der Imagegewinn des „kleinen Raketenmannes“ (Trump), der sich nach langjähriger internationaler Isolation auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten trifft, auch wenn dieser die vorerst letzte Begegnung im März abgebrochen hat, und dem nun auch der Staatschef des großen China seine Aufwartung macht. Abrüstungsverhandlungen, das zeigt die Erfahrung der Vergangenheit, sind ein schwieriges Geschäft. Ob Trump mit seiner Hauruck-Vorliebe die Geduld dafür hat, steht zu bezweifeln. Und Kim lässt nach diplomatischen Misserfolgen Mitarbeiter auch schon mal hinrichten. Die Welt wird in diesem Konflikt noch eine Weile auf eine Lösung warten müssen.

politik@lr-online.de