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| 20:35 Uhr

Kommentar
Der BER liegt nicht in Småland

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: LR / Redaktion
17 Menschen starben 1996 beim Brand am Düsseldorfer Flughafen. Ein wesentlicher Grund dafür: Bei der Isolierung von Zwischendecken im Terminal war ein Material verwandt worden, das man dort nicht hätte einsetzen dürfen.

Außerdem fehlten Brandschutztüren und eine Sprinkleranlage. Und vier Menschen starben 2004 am Pariser Flughafen Charles de Gaulle, als Dachteile vom Terminal 2E herabstürzten und die Passanten erschlugen. Die Ursache: Ein Konstruktionsfehler.

Schon diese beiden Ereignisse sollten als Begründung reichen, wieso es geradezu aberwitzig ist, dass Berlins Flughafenchef darüber nachdenkt, die Prüfkriterien für die bauliche Abnahme des BER abzuschwächen.

Berlin ist doch nicht Vimmerby in Småland, wo Pippi Langstrumpf auf ihrem Pferd herumreitet, das Äffchen auf der Schulter und lautstark singt: „Ich mach mir die Welt, widde-widde wie sie mir gefällt!“ Sicher, es mag Anlässe geben, einmal Bau- und Prüfvorschriften zu durchforsten, und überbordende Bürokratie abzubauen. Aber bitte nicht in unmittelbarer Verbindung mit einem Großprojekt, bei dem vor sechs Jahren ernsthaft noch verkündet wurde, dass man Studenten einstellen wolle, die im Fall des Falles dann als „Mensch-Maschine-Lösung“ die Brandschutztüren händisch offenhalten sollten.

Wenn nun ausgerechnet der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft solche Äußerungen tätigt, dann stinkt das zum Himmel – und lässt massiv an der Kompetenz des BER-Chefs zweifeln.

Jeder Reisende, der den BER benutzt, muss sich darauf verlassen können, im Fall des Falles sicher das Flughafengebäude verlassen zu können. Darunter geht es nicht. Die geltenden Vorschriften sind deswegen einzuhalten, und zwar buchstabengetreu. Menschenleben sind in jedem Fall mehr wert als alle Eröffnungstermine und ein zusammengeschustertes Gebäude.