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| 17:45 Uhr

Post aus Dresden
Der alte Fritzin aller Munde

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Redaktion / LR
Friedrich A. soll kein toller Typ gewesen sein. Erzählte man sich jedenfalls, und das sicher nicht ohne Grund. Schon ein Blick in seinen Lebenslauf führt einem ein Beispiel ausgesuchter Durchschnittlichkeit vor Augen: Geboren in Dresden, Gymnasium ebendort. Jurastudium dann in Straßburg, immerhin. Danach ging er zur Armee, wie es sich zu seiner Zeit gehörte. Dass er es dort zum General brachte, darf man wohl den guten Beziehungen seiner Familie zuschreiben. Fotos zeigen den jungen Friedrich A. im grauen Anzug mit einem Blick, der sich nüchtern anschickt, den Weg zu gehen, den die Eltern ihm ausgesucht hatten. Dazu ein gepflegter Schnauzbart, ohne den sich ein junger Kerl damals gar nicht erst vorzustellen brauchte für einen Job im höheren Staatsdienst. In seiner Freizeit schätzte er Reisen, Jagden und alles Schöne. Er heiratete ein Mädchen namens Luise und begründete mit ihr ein glückliches Heim. Von Christine Keilholz

Freunde und Weggefährten lobten ihn als schlicht und bescheiden. Außergewöhnlich an Friedrich A. waren nur seine überdurchschnittliche Anzahl von Vornamen (acht) und der Umstand, dass er König von Sachsen war. Unter seinen Vorfahren gab es Starke und Schwache. Er selbst lag irgendwo dazwischen. Er scheiterte an einer Schulreform, wie viele seiner Nachfolger. Als Rentner schoss er Böcke und trollte seine Staatsregierung mit bösen Briefen – was wütende alte Männer halt oft tun.

Wenn es heute überhaupt einen Grund gibt, sich mit ihm zu befassen, dann weil er der letzte König von Sachsen war. Der noch dazu seine Abdankung mit einem legendären Spruch krönte. So ist es nur recht und billig, dass das Schlösserland Sachsen die Ende August öffnende Ausstellung im Schloss Pillnitz über Friedrich August Johann Ludwig Karl Gustav Gregor Philipp, König von Sachsen, Markgraf von Meißen etc.pp genauso überschreibt: „Macht Euern Dreck alleene!“

Dieser Satz wird heute noch jeden Tag millionenfach auf der ganzen Welt zitiert im Gedenken an seinen Verfasser. Er sagt uns, dass auch ein mittelmäßiger Geist es fertigbringen kann, im historischen Moment das genau Richtige zu tun.