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Das Vielleicht-Gesetz

Fracking ist der Versuch der Menschheit, mit einer neuen, optimierten Technik auch noch die letzten Reste fossiler Energieträger aus der Erde zu kratzen, um sie anschließend zu verbrennen. Fracking ist in dieser Hinsicht nicht besser oder schlechter als andere Methoden fossiler Energiegewinnung und, sofern es gelingt, den Einsatz von Chemikalien zu minimieren, auch direkt an den Förderstellen nicht umweltschädlicher. Kommentar Wernerkolhoff

Dafür wird die Industrie schon sorgen.

Am Ende der schönen Energieverbrauchs-Party aber steht unweigerlich die Klimakatastrophe. Der durch Fracking verursachte billige Förderpreis macht die Menschen weltweit dafür noch blinder, als sie es ohnehin schon sind.

Es ist verwunderlich, dass eine Regierung, der eine Klimakanzlerin und ein ökologisch durchaus bewusster Sozialdemokrat vorstehen (beide stellten sich anklagend vor die schmelzenden Gletscher in Grönland), jetzt ein Gesetz verfasst, das Fracking in Deutschland prinzipiell ermöglicht. Wenn auch unter scharfen Auflagen.

Das erstaunt, weil die Deutschen sich kollektiv längst einen anderen Erkenntnis- und Bewusstseinsstand erarbeitet haben. Die Bürger, unter deren Haus und Grund gefrackt werden soll, und die eine Entwertung ihres Besitzes befürchten, sowieso. Deutschland hat unumkehrbar den Weg der erneuerbaren Energien und der Energieeinsparung beschritten. Es braucht dieses Gas nicht. Und es hat noch nicht einmal nennenswerte Vorkommen davon.

Deshalb ist sogar fraglich, ob die Industrie angesichts der zu erwartenden Widerstände auch nur Versuchsbohrungen durchführen wird. Ein klares Nein zum Fracking wäre international ein klimapolitisches Signal gewesen, das man innenpolitisch praktisch zum Nulltarif hätte haben können. Wirklich verwunderlich .

politik@lr-online.de