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Leitartikel
Zurück auf dem Boden

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: Redaktion / LR
Viele werden sich wohl ein härteres Urteil gegen Anton Schlecker erhofft haben. Zwei Jahre auf Bewährung, insbesondere die Schlecker-Frauen, die früheren Verkäuferinnen, dürfte das nicht zufriedenstellen. Von Hagen Strauß

Gewiss, der Patriarch hat sein Unternehmen in den Ruin geführt, 25 000 Menschen haben dadurch ihre Jobs verloren. Das war für die Beschäftigten eine unfassbare Tragödie, ein bis heute vielfach nachwirkender Schicksalsschlag. Doch genau darum ging es eben nicht in dem Verfahren. Schlecker stand nicht für die Insolvenz an sich vor Gericht, sondern dafür, dass er Gelder vor seinen Gläubigern in Sicherheit bringen wollte.

Mit besonders freundlicher Unterstützung seiner beiden Kinder. Der gelogene Satz: „Es ist nichts mehr da“, den Maike Schlecker 2012 vor der Presse sagte, rächt sich nun. Betrug, Untreue, Insolvenz-Verschleppung, Anton Schleckers Kinder scheinen die treibende Kraft hinter den Machenschaften gewesen zu sein. So jedenfalls muss man die Gefängnisstrafen für Tochter und Sohn deuten.

Für Schadenfreude besteht kein Grund. Aber die Botschaft des Verfahrens ist doch eindeutig: Wirtschaftsbosse müssen in Deutschland für schwere Fehler strafrechtlich geradestehen,  entgegen der allgemeinen Auffassung kommen sie nicht davon. Schlecker ist auch kein Einzelfall. Man denke nur an den früheren Chef des pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, der wegen Untreue in 27 Fällen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, und der seine Reststrafe jetzt im offenen Vollzug verbüßt. Oder an den einstigen Postchef Klaus Zumwinkel, dem Steuerhinterziehung zum Verhängnis wurde. Meist ist es so, dass die Manager nicht verstehen, was ihnen da gerade widerfährt, weil sie oftmals zu abgehoben leben und sich zu weit von den Sorgen und Nöten ihrer Mitarbeiter entfernt haben. Doch der Rechtsstaat holt sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ohne Rücksicht auf das Ansehen einer Person. Das sollte jeder wissen, der als Unternehmenslenker mit den Regeln spielt.

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