| 18:52 Uhr

Post aus Dresden
Vom Rad der Zeit im Freistaat

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Alle Jahre wieder gibt es wenig Neues. Von Christine Keilholz

Mit demselben schönen Regelmaß, mit dem der singende Sachse seinen Schwibbogen an die Hauswand schraubt, die Blinkelichter um die Konifere hängt und das Plantagentännchen heimschleppt, gibt es auch in der Politik Dinge, die einmal im Jahr wiederkommen, ohne dass man wüsste, wieso eigentlich.Aber man hat sich dran gewöhnt. Wie daran, dass die Grünen im sächsischen Landtag einmal im Jahr nach Dienstfahrrädern in der Staatsregierung fragen.

Gibt es welche? Wie viele? Warum nur so wenige? Undsoweiter. Die Grünen fahren nämlich gern Rad, das muss man dabei bedenken. Aber damit stehen sie ziemlich allein, denn alle anderen fahren gern Dienstwagen, oft zu große.

Früher reichte die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen diese Anfragen ein. Doch die hat sich inzwischen verbessert, sie streitet nun als Umweltbürgermeisterin in Dresden für mehr Radwege.

Ihre Nachfolgerin im Landesparlament, Katja Meier, hat nun also auch die jährliche Dienstfahrrad-Anfrage übernommen. Mitsamt den miesen Antworten.

Gerade mal 433 Räder stehen demnach im Dienste des Freistaats. Im Jahr 2014 waren es immerhin noch 716. Wo die restlichen geblieben sind, hat Meier leider versäumt nachzufragen. Wurden sie nachts heimlich an Dresdner Laternenpfählen angeschlossen? Wer weiß.

Die Staatskanzlei besitzt ganze fünf Fahrräder. Das Wirtschaftsministerium, das auch für Verkehr zuständig ist, besitzt ganze drei Räder. Die reichen für den Minister und seine beiden Staatssekretäre. Aber keiner von ihnen wurde je mit Rad erwischt.

Alles in allem teilen sich von den 79 000 Staatsbediensteten im Freistaat, rein rechnerisch, 174 ein einziges Dienstfahrrad.

Das arme Ding, kann man da nur sagen. Aber da damit ohnehin keiner fährt, ist das auch egal.