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Kommentar zu fehlenden Lehrern
Das Problem verschärft sich

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: krohnfoto.de
Neu ist das Phänomen des Lehrermangels nicht. Schüler und Eltern bekommen es regelmäßig zu spüren, wenn mal wieder einige Fächer über eine längere Zeit nicht unterrichtet werden können. Von Hagen Strauß

Neu an der am Mittwoch vorgestellten Studie ist die Erkenntnis, in welch rasantem Ausmaß sich das Problem zu verschärfen droht. Und das ausgerechnet an den Grundschulen. Dort, wo nach der Kita weitere Grundlagen für den späteren Bildungserfolg gelegt werden müssen; wo auch insbesondere das Interesse und der Spaß am Lernen geweckt werden sollen. Fehlen dort die Lehrer, zumal die engagierten, kann sich das auf die Schullaufbahn eines Kindes extrem negativ auswirken.

Schuld an der Misere ist zu einem großen Teil die Politik. Seit Jahren begeht sie den Fehler, neue Vorgaben zu machen, ohne die Folgen im Blick zu behalten. Angefangen beim Wechsel von G9 auf G8 über das Thema der Inklusion bis zu dem Ziel, möglichst viele Kinder in die Ganztagsbetreuung zu bringen. Alles schön und gut – aber alles sehr personalintensiv. Wenn dann nicht die Rahmenbedingungen entsprechend verändert werden durch andere Lehrpläne oder eine bessere Ausstattung der Schulen, klaffen Anspruch und Realität erst recht auseinander. In der Folge wird dann politisch oft versucht, mit Not-OPs sozusagen am offenen Herzen dagegenzuhalten. Wie dem Instrument der (schlecht bezahlten) Quereinsteiger und Angestellten oder mit dem Versuch, Ruheständler zurück in die Schulen zu locken. Das alles ist freilich nur halbgar und bedingt hilfreich.

Wer glaubt, die Misere dadurch lösen zu können, Teilzeitkräften ein Angebot zur Aufstockung anzubieten, der irrt. Schließlich gibt es gute Gründe, wenn Lehrer angesichts ihres immer anstrengender werdenden Jobs kürzertreten wollen.

Es fehlt ein Gesamtkonzept, um den Lehrerberuf wieder attraktiv zu machen. Mehr Geld gehört vor allem dazu. Für die Schulen – und für die bessere Bezahlung vieler Lehrkräfte.