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Post aus Potsdam
Das Leben geht weiter

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: LR
Ein guter Landtagsabgeordneter muss ein Kümmerer sein. Einer, der vor Ort, im Wahlkreis, dicht bei den Menschen ist. Der ein Ohr hat für ihre Anliegen und das soziale Leben in der Region fördert. Von Benjamin Lassiwe

Und wer sich auf den Facebookseiten der Brandenburger Politiker umsieht, findet immer wieder Belege dafür, wie bravourös die Brandenburger Landespolitiker diese Kunst exerzieren. Zum Beispiel am Donnerstag – also am Tag, nachdem Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke bei einem Besuch in Meyenburg in der Prignitz die Kreisgebietsreform abgesagt hatten. Da waren die Lausitzer Landtagsabgeordnete Gabriele Theiss und Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (beide SPD) in die Backstube des Christstollen backenden Frauendorfer Handwerksbäckers Axel Günther gekommen. „Die Politiker bestaunen das Handwerk von Bäckermeister Axel Günther und wollen Gutes tun“, heißt es auf der Seite der Abgeordneten . Daher hätten sie insgesamt 30 „der begehrten Leckereien“ gekauft und der Ortrander Tafel gespendet. In der Woche vor dem ersten Advent sollen sie an Bedürftige verteilt werden.„Wir möchten, dass alle Menschen sich am 1. Advent ein wenig freuen können, daher haben wir die Aktion ins Leben gerufen“, sagt Theiss. Und auch bei den Fraktions- und Parlamentskollegen der Landtagsabgeordneten stößt die nachahmenswerte Spendenaktion auf große Begeisterung. Die Abgeordnete Elisabeth Alter, der Theiss ein besonders großes Exemplar des Christstollens mit nach Potsdam bringen will, philosophiert augenzwinkernd gar darüber, ob das Ministerium für Ländliche Entwicklung auch ein Ressort für sie selbst sein könnte. „Spargel-Kirschen-Heidelbeeren-Milch – nun noch Stollen? All das liebe ich.“

Womit die Sozialdemokratin durchaus auf der richtigen Fährte sein könnte, sagt doch Amtsinhaber Jörg Vogelsänger immer wieder einmal, dass spätestens auf der Grünen Woche auch der Magen des Ministers zu den wichtigsten Qualifikationen des Stelleninhabers gehört.

Vor allem aber zeigt die Episode: Ganz egal, ob es da mal so etwas wie eine Kreisgebietsreform gab – in der Brandenburger SPD geht das Leben weiter. Denn Christstollen gibt es schließlich nur einmal im Jahr.