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| 01:08 Uhr

Das geringste Opfer

Es wäre konsequent gewesen, Horst Seehofer hätte es seinem Unionskollegen Friedrich Merz gleich getan. Der Finanzexperte warf schon vor Wochen das Handtuch, weil er mit Angela Merkel über Kreuz lag. Dem profilierten Gesundheitspolitiker geht es genauso.

Gegen das Kopfpauschalenmodell zur Krankenversicherung hat Seehofer von Anfang an Front gemacht. Wie sollte er also einen Kompromiss vertreten, von dem er selbst behauptet, er sei eine "Totgeburt"? Die Abgabe dieses Geschäftsbereichs ist für Seehofer allerdings das kleinste Opfer, das er offenbar zu bringen bereit war. Als Partei- und Fraktionsvize will der CSU-Mann weiter an vorderster Front mitmischen. Seehofer hat seinen Traum nicht aufgegeben, bei einem möglichen Wahlsieg 2006 noch einmal als Gesundheitsminister im Rampenlicht zu stehen.
Das ganze Theater belegt auch, dass sich die CDU-Chefin im Ringen um den verqueren Gesundheitskompromiss durchgesetzt hat: Die bayerische Schwesterpartei konnte den angefeindeten Systemwechsel vom einkommenbezogenen Beitrag zur lohnunabhängigen Pauschale nicht verhindern. Den Christsozialen steht dann auch ein turbulentes Wochenende bevor. Auf ihrem Parteitag soll das Mehr-Merkel-Modell schließlich abgesegnet werden. Und Seehofer gilt nach wie vor als das "soziale Gewissen" der kleinen Schwesterpartei. In dieser Eigenschaft kann Seehofer der CDU-Chefin das Leben weiter schwer machen.