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| 17:21 Uhr

Das Ende der traurigen Andrea N.
Jetzt geht’s weiter bergab

 Mathias Puddig
Mathias Puddig FOTO: MOZ
Wenn Klimaforscher die Dramatik der aktuellen Situation beschreiben, dann kommen sie früher oder später auch auf den „Tipping-Point“ zu sprechen. Der Kipp-Punkt kann ganz unscheinbar sein, ist er aber einmal überschritten, nimmt die Klimakatastrophe unaufhaltsam ihren Lauf.

Bei der SPD – die ja ironischerweise viel zu lang die Klimapolitik verschlafen hat – hat es so viele solcher Kipp-Punkt gegeben, dass man gar nicht mehr sagen kann, welcher entscheidend war. Vielleicht war es die Schrödersche Agenda-Politik, vielleicht der Eintritt in die erste Merkel-Regierung, vielleicht auch erst Martin Schulz’ Wunsch, Außenminister zu werden, obwohl er das zuvor vehement bestritten hat. Jedoch: Der Punkt ist überschritten, schon lange geht’s mit den Sozialdemokraten nur noch bergab.

Das jüngste Opfer dieser Entwicklung ist die Noch-Parteichefin Andrea Nahles. Ein gutes Jahr lang hat sie sich abgestrampelt, um die Partei zu retten. Sicherlich ist sie dabei oft unglücklich vorgegangen. Dass es aber nicht einmal ihr gelingt, die doch angeblich jeden Ortsverein der 450 000-Mitglieder-Partei kennt, die Partei in einer desaströsen Lage wie der aktuellen zu einen, zeigt, wie kaputt die SPD inzwischen ist. Noch vor einer Woche war sich der Parteivorstand einig, auf die Wahlniederlagen keine Personaldebatten folgen zu lassen. Die Folge: Nahles wurde nicht vor aller Augen demontiert, sondern in Hinterzimmern und Telefonschalten. Und schon steht die SPD vor den nächsten Personaldebatten. Was Parteibasis und Wähler davon halten, lässt sich leicht erahnen. Als Forsa die SPD am Wochenende bei zwölf Prozent sah, war keiner mehr überrascht.

Dass die Erneuerung in der Regierung nicht funktioniert, ist mit Nahles’ Abgang schließlich offenbar. Die Alternative wäre, so lange mit der Union zu regieren, bis die SPD vollkommen verschwunden ist. Dass das kein Hirngespinst ist, zeigt der Blick zu den Nachbarn: In Frankreich und auch in Polen sind die sozialdemokratischen Parteien bereits weg. Und im Moment ist nicht zu erkennen, wieso ihren deutschen Genossen das erspart bleiben sollte.⇥politik@lr-online.de