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| 17:48 Uhr

Post aus Potsdam
Countdown für den Redner

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: Redaktion / LR
Anhörungen in einem Landtagsausschuss können manchmal grausam sein. Langatmig, langsam und ohne wirklichen Erkenntnisgewinn. Legendär waren die letzten Tage der Brandenburger Kreisgebietsreform: Bis drei Uhr nachts tagte der Innenausschuss, geleitet von Sören Kosanke (SPD), der langsam in seinem Stuhl dahindämmerte. Oder der Landwirtschaftsausschuss. Wenn dieses von Sven Schröder (AfD) geleitete Gremium einmal Tagesordnung und Zeitplan einhält, kann man sich das getrost mit roter Farbe im Kalender markieren. Von Benjamin Lassiwe

Vor allem aber sind es die grundsätzlich zu langen Redebeiträge der Experten, die jede Anhörung ruinieren können. Fragen werden nicht in wenigen Sätzen, sondern ausholend und ausschweifend beantwortet. Überhaupt, die Fragen. So manchem Abgeordneten darf man getrost unterstellen, seine Frage in einer Anhörung nicht zu stellen, weil er auf großen Erkenntnisgewinn hofft. Nein, er hört sich nur gern reden. Was der Begriff „Abgeordneter“ hier im Übrigen bewusst nicht in geschlechtergerechter Sprache formuliert ist: Gemeint sind ausschließlich die Herren der Schöpfung. Denn das verbale Balzverhalten eines Gockels legen die weiblichen Mitglieder des Landtags nur höchst selten an den Tag.

Deswegen war es durchaus eine positive Neuerung, die die Vorsitzende des Innenausschusses, Klara Geywitz, am Donnerstag bei der Anhörung zum Bestattungsgesetz einführte. Hinter dem Rücken der Vorsitzenden nämlich hing eine große Leinwand. Und auf dieser Leinwand lief ein bei zehn Minuten startender Countdown langsam zur Null herunter. Und tatsächlich: Den insgesamt 16 Anzuhörenden ist es im Großen und Ganzen gut gelungen, sich an die Redezeit zu halten. Was für die nächsten Sitzungen zumindest des Innenausschusses durchaus Hoffnung macht.