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Kommentar
Reden hilft, zuhören auch

Andrea Hilscher
Andrea Hilscher FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau

Seiner Wut Luft machen. Endlich mal sagen dürfen, was Sache ist. So oder ähnlich haben viele Menschen in den vergangenen Monaten erklärt, warum sie an Demonstrationen gegen die Zuwanderung von Flüchtlingen teilnehmen – obwohl sie sich dort ganz offensichtlich in eine Reihe mit rechten, zum Teil offen verfassungsfeindlichen Gruppierungen stellen. Der Redebedarf ist groß, jetzt endlich kann er gestillt werden. Zunächst während einer öffentlichen Stadtverordnetenversammlung in Cottbus, später dann in kleineren Gesprächsforen. Gute Entscheidung. Denn, so zeigt die Erfahrung der letzten Monate, zornige Menschen beruhigen sich, wenn sie mit ihren Problemen ernst genommen werden und dort reden dürfen, wo Politik und Verwaltung zuhören. Angst entsteht in den dunklen Zonen des Bewusstseins. Besiegen lässt sie sich, wenn aus dem „Reden dürfen“ auch ein „Zuhören wollen“ wird. Eben dieses Zuhören bietet die Politik jetzt an. Wenn daraus auch bei den Cottbusern eine Neugier auf Austausch, eine Lust am Zuhören wird, dann kann der Stadt nicht mehr viel passieren.
andrea.hilscher@lr-online.de