| 20:00 Uhr

Kommentar
Cottbus ist keine Nazi-Stadt

Oliver Haustein-Teßmer
Oliver Haustein-Teßmer FOTO: Sebastian Schubert / LR
Cottbus. Deutsche gegen Flüchtlinge, Nazis marschieren wieder: So einfach ist das nicht mit Cottbus, der zweitgrößten Stadt Brandenburgs. Und obwohl Cottbus nicht am Zuzug der Migranten zugrunde geht, müssen jetzt drängende Fragen gestellt werden. Von Oliver Haustein-Teßmer

Nein, Cottbus ist keine von Nazis beherrschte Zone. Die zweitgrößte Stadt Brandenburgs ist auch nicht zum rechtlosen Ort verkommen, an dem gewaltbereite Flüchtlinge Einheimische terrorisieren. Zwar gibt es seit Langem einen harten Kern von Neonazis in der Stadt. Das führt zu vergleichsweise mehr rechtsextremen Straftaten als anderswo in Deutschland. Und in letzter Zeit ermittelt die Polizei häufiger gegen meist männliche junge Flüchtlinge.

Doch das öffentliche Leben wird zum Glück von den meist friedlichen Bürgern bestimmt. Die oft schweigende Mehrheit, die sich nicht außerhalb der Gesetze stellt, die aber an einem fairen Miteinander interessiert ist. Allerdings ist dieses Miteinander oder – ehrlicherweise – Nebeneinander mit Migranten manchmal schwierig. Denn es ist alles andere als einfach, einigen der Neuen verständlich zu machen, dass die hierzulande geltenden Regeln zu respektieren sind. Wir haben in der Lausitz erlebt, dass Integrationsversuche scheitern. Etwa bei einem minderjährigen Syrer, der einem gleichaltrigen Deutschen das Gesicht zerschneidet. Ganz zu schweigen von schweren Verbrechen. Ein junger Syrer steht derzeit nach der Tötung einer Rentnerin in Cottbus vor Gericht.

Jetzt fragen viele Menschen, darunter solche, die bei ausländerfeindlichen Demos mitlaufen, wo das enden soll. Und ja, sie haben ein Recht darauf, ihren Unmut zu äußern und Fragen laut zu stellen. Fragen dürfen übrigens auch Journalisten. Deren Grundrecht wiederum müssen in der Demokratie alle anderen aushalten. Selbsternannte Heimatschützer blenden gern aus, dass die meisten Migranten in Cottbus friedlich sind. Aber wo es falsch läuft, müssen Stadt, Land und Bund Recht und Ordnung durchsetzen. Der Anfang ist getan, mehr Geld für Polizei und Sozialarbeit ist da.

Dass es dabei nicht bleiben kann, ist die eine Sache. Die andere ist die, dass die Cottbuser sich wie andere Großstädter auch auf das Zusammenleben mit Migranten dauerhaft einstellen müssen. Es macht keinen Sinn, ausgerechnet in Cottbus als wirtschaftlich, wissenschaftlich und touristisch aufstrebender Metropole das schräge Lied vom nationalen Sonderweg zu singen.