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| 19:06 Uhr

CDU muss durchstarten
Die Zombie-Koalition

 Ellen Hasenkamp
Ellen Hasenkamp FOTO: MOZ
Normalerweise folgen die Krisen der amtierenden Groko einer speziellen Art von Naturgesetz: Was immer passiert – den Schaden hat am Ende die SPD. Dieses Prinzip gilt quasi seit der Geburtsstunde des Bündnisses, denn schon die Jamaika-Pleite der Union landete ja letztlich vor den Füßen der SPD und erweist sich dort seither als maximaler Problemberg.

So ging es weiter: Die CDU ließ sich das Finanz-, Außen- und Innenministerium wegverhandeln, aber zurücktreten musste SPD-Chef Martin Schulz. CSU-Innenminister Horst Seehofer bekam seinen obersten Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen nicht in den Griff, doch die Wutwelle traf SPD-Chefin Andrea Nahles. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer patzte im Umgang mit einem blauhaarigen Youtuber, doch die Führungskrise brach bei der SPD aus.

Mag in der Union in den zurückliegenden Monaten noch hier und da Erleichterung über den für sie glimpflichen Verlauf geherrscht haben, ist dieses Gefühl inzwischen größtmöglicher Besorgnis gewichen. Es wirkt, als seien die Christdemokraten notfalls auch zu Mund-zu-Mund-Beatmung des darniederliegenden Koalitionspartners bereit. Hauptsache, die Sozis berappeln sich noch einmal und die Sache kann weitergehen, irgendwie.

Denn diesmal könnten die Scherben der Sozialdemokratie vor die Tür der CDU gekehrt werden und die regierungstreuen Christdemokraten am Ende sogar zwingen, die Koalition von sich aus zu beenden. Hören wollen die Christdemokraten davon noch nichts. Doch es zeigt sich auch Panik: Was ist, wenn die SPD diesmal nicht mehr aufsteht? Dauergeschwächte Sozialdemokraten sind in Wahrheit für die Union weit gefährlicher als rauflustige Genossen.

Schon tönt es vor allem aus den Reihen der CSU, es gebe keinen politischen Rabatt für die siechende Sozialdemokratie. Tatsächlich nämlich könnte die SPD ihre Blutarmut als Druckmittel einsetzen, frei nach dem Motto: Grundrente ohne Bedarfsprüfung – oder der Tod. Doch: Angst vor dem Wähler steht keiner Partei, und erst recht keiner, die Volkspartei sein will. ⇥politik@lr-online.de