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| 01:00 Uhr

Bundeswehrsoldat in Kabul getötet

Kabul/Berlin.. Bei zwei Selbstmordanschlägen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind gestern ein Bundeswehrsoldat und drei afghanische Zivilisten getötet worden. Zwei weitere Bundeswehrsoldaten wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Das teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam mit. Die radikal islamischen Taliban bekannten sich zu den beiden Anschlägen, die innerhalb von 90 Minuten auf derselben Straße mit Autobomben verübt wurden.


Politiker von Union und SPD machten in Berlin deutlich, dass die Bundeswehr auch nach den neuen Anschlägen ihren Einsatz in Afghanistan fortsetzen wird. Der scheidende Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) verurteilte den Anschlag "auf das Schärfste". Das Kalkül der Terroristen, den Wiederaufbau- und Demokratisierungsprozess zu sabotieren, "darf und wird nicht aufgehen", erklärte Fischer. Sein designierter Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte dem Fernsehsender N 24, an der grundsätzlichen Frage, ob diese Mission gerechtfertigt und politisch sinnvoll sei, werde sich nichts ändern. Die Linkspartei forderte hingegen eine Überprüfung des Einsatzes. Der Verteidigungssprecher der CDU/CSU-Fraktion, Christian Schmidt, erklärte, nur eine weltweit abgestimmte Handlungsweise könne im Kampf gegen die Taliban Erfolg zeigen, "den wir angesichts dieser Ereignisse nötig haben". Der Anschlag führt in drastischer Weise vor Augen, wie gefährlich die Situation weiterhin sei. Schmidt plädiert dafür, die Mission der Internationalen Schutztruppe Isaf mit der US-geführten Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" zu verknüpfen, um den Schutz der Soldaten zu verbessern. Die SPD lehnt das ab, weil sie im Gegenteil eine größere Gefahr darin für die Soldaten sieht.

Nato-Schutztruppe in der Pflicht
Auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verurteilte die Angriffe. "Ich bin über den Tod eines Isaf-Soldaten und die anderen Verwundeten betrübt", heißt es in einer gestern von der Nato veröffentlichten Erklärung. "Ich verurteile diese Angriffe energisch. Sie werden die von der Nato geführte Schutztruppe Isaf nicht von ihrer Aufgabe abbringen, dem afghanischen Volk beim Aufbau von dauerhaftem Frieden, Sicherheit und Demokratie zu helfen", sagte de Hoop Scheffer.
Die Straße, auf der die Anschläge verübt wurden, führt von der Stadt zum Camp Warehouse, dem wichtigsten Lager der deutschen Soldaten in Kabul. Auf derselben Straße - der Jalalabad-Road - waren vor etwa eineinhalb Jahren vier deutsche Soldaten getötet und 29 weitere verletzt worden. Auch zu diesem Anschlag hatten sich die Ende 2001 gestürzten Taliban bekannt.
Die Luftwaffe wollte die verletzten Bundeswehrsoldaten mit ihrem Lazarett-Flugzeug nach Deutschland zurückholen. Die beiden Feldjäger werden voraussichtlich heute in Köln eintreffen. Wann der Leichnam des getöteten Soldaten überführt wird, war gestern noch unklar.

Explosion vor Wahlbehörde
Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte, außer den beiden Attentätern und dem deutschen Soldaten seien ein Kind und eine Frau ums Leben gekommen. Die Autobombe, bei der der deutsche Soldat getötet wurde, detonierte vor der afghanischen Wahlbehörde. Diese hatte am Samstag das Endergebnis der ersten afghanischen Parlamentswahl seit 36 Jahren verkündet, die die Taliban erfolglos zu torpedieren versucht hatten. (dpa/mhs)

Hintergrund Einsatz am Hindukusch
  Seit den Anschlägen in den USA 2001 beteiligt sich Deutschland am internationalen Kampf gegen den Terror und an der Friedenssicherung in Afghanistan. Die USA griffen als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 Afghanistan an und stürzten das Taliban-Regime . Seither wird mit zwei Missionen versucht, die Sicherheitslage am Hindukusch zu verbessern: mit der von den USA geführten Operation "Enduring Freedom" (OEF) und der Nato-geführten Schutztruppe Isaf .
Die Isaf verfügt über 9000 Soldaten aus 36 Nationen. Die Bundeswehr stellt mit 3000 Soldaten die größte Truppe.