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Bundeswehr steht Litauen zur Seite

Anfang Februar landeten die Bundeswehrsoldaten auf dem Flughafen im litauischen Kaunas, südwestlich vom Stationierungsort Rukla gelegen.
Anfang Februar landeten die Bundeswehrsoldaten auf dem Flughafen im litauischen Kaunas, südwestlich vom Stationierungsort Rukla gelegen. FOTO: dpa
Berlin. Sie kommen mit Panzern und schwerem Gerät, postieren sich an der Ostgrenze der Nato und sollen Russland abschrecken: 450 Bundeswehr-Soldaten demonstrieren im Baltikum Stärke. Michael Fischer und Nico Pointner

450 Soldaten, 26 Panzer, 170 Militärfahrzeuge: Die Bundeswehr stationiert nur 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt deutsche Truppen in Litauen. Denn das kleine Land fühlt sich wie seine baltischen Nachbarn und Polen bedroht durch die russische Übermacht im Osten. Die Nato-Aufrüstung an der Ostflanke ist die größte Truppenverlegung Richtung Osten seit Ende des Kalten Krieges.

Worum geht es genau?

Die Aufrüstung der Nato geht auf einen Beschluss des Warschauer Gipfels im vergangenen Jahr zurück. Sie ist eine Reaktion auf die Vereinnahmung der ukrainischen Krim durch Russland, die zu massiven Spannungen zwischen der Nato und Moskau geführt hat. Jeweils 1000 Soldaten werden nach Litauen, Estland, Lettland und Polen geschickt.

Wo genau in Litauen sind die deutschen Soldaten stationiert?

In einer Kaserne in Rukla, einer 2000-Seelen-Gemeinde etwa 100 Kilometer von der russischen Exklave Kaliningrad entfernt. Die Nato-Truppe in Litauen wird von der Bundeswehr angeführt, es gehören ihr aber auch Soldaten aus Belgien, den Niederlanden und Norwegen an. 130 Soldaten der Bundeswehr, 100 belgische Soldaten und ein kleiner Teil des Geräts sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums bereits vor Ort.

Nimmt die Bundeswehr auch schwere Waffen mit?

Ja. Kern der Truppe sind Panzergrenadiere aus dem bayerischen Oberviechtach, die mit insgesamt 20 "Marder"-Schützenpanzern, sechs "Leopard 2"-Kampfpanzern und 170 weiteren Militärfahrzeugen ausgerüstet sein werden. Sanitäter, Feldjäger und Pioniere sollen die Panzergrenadiere in Rukla unterstützen. Bis Juni dieses Jahres sollen alle Kräfte vor Ort sein.

Ist eine Reaktion Russlands auf die Truppenstationierung zu erwarten?

Hochrangige Nato-Militärs rechnen fest damit. Eine Option wäre, dass Russland nuklear bestückbare "Iskander"-Mittelstreckenraketen in Kaliningrad einsatzbereit meldet. Mit diesen Geschossen könnten die russischen Streitkräfte Ziele in ganz Polen erreichen und sogar Berlin treffen. Nato-Militärs gehen davon aus, dass sie längst einsatzbereit sind und Moskau nur auf einen günstigen Zeitpunkt wartet, das zu verkünden. Die russische Regierung will zudem Truppen Richtung Westen verlagern.

Was können die 4000 Nato-Soldaten überhaupt militärisch ausrichten?

Wenig. Beobachter sprechen von eher symbolischem Beistand. Die Stationierung ist vor allem psychologisch wichtig für die Bündnispartner: Die Nato zeigt, dass sie den kleinen Mitgliedern im Osten gegen einen übermächtigen Nachbarn beisteht. Bei einem Einmarsch russischer Streitkräfte ins Baltikum würden die 4000 Soldaten aber sicher nicht ausreichen, um das Bündnisgebiet zu verteidigen. "Für einen Nato-Soldaten in den baltischen Staaten gibt es zehn russische Soldaten an unseren Grenzen", sagte die litauische Staatschefin Dalia Grybauskaite.

Was macht die Bundesverteidigungsministerin in Rukla?

Ursula von der Leyen (CDU) besucht dort die Soldaten. Sie nahm gemeinsam mit Litauens Staatspräsidentin Grybauskaite an der Begrüßungszeremonie der Soldaten auf dem Militärstützpunkt Rukla teil. Litauen zeigte sich sehr dankbar für den Beistand und das deutsche Engagement. "Für uns ist dies symbolisch und sehr wichtig", sagte Grybauskaite.

Zum Thema:
Gleich beim ersten Einsatzflug von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit einem A400M hat das Transportflugzeug schlapp gemacht. Die CDU-Politikerin flog am Dienstag mit einer der hoch modernen Maschine nach Litauen, um dort das von der Bundeswehr geführte Nato-Bataillon zu besuchen. Zurück kam sie aber nicht. Der A400M blieb mit einem Triebwerkschaden in Kaunas liegen. Die Ministerin machte sich mit einer 50 Jahre alten Ersatzmaschine vom Typ "Transall" auf den Rückweg.

Ursula von der Leyen verlässt in Rukla den neuen Airbus A400M.
Ursula von der Leyen verlässt in Rukla den neuen Airbus A400M. FOTO: dpa