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Blinder Aktionismus

Gedacht war's als ein Befreiungsschlag. Mit der Gründung der Innovationsregion Lausitz sollte ein gemeinsames Dach gebaut werden für den Wirtschaftswandel. Jan Siegel

Dafür haben die großen Wirtschaftsverbände mehr als eine Million Euro in die Hand genommen.

Doch der Befreiungsschlag gerät zum Rohrkrepierer. Statt unter einem Dach zusammen zu sitzen, ziehen die Lausitzer immer neue "Nebengebäude" hoch. Die Aktivisten der Lausitzrunde beispielsweise "machen ihr Ding" bei Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Die "Energieregion" benennt sich in einem verzweifelten Akt der Selbsterhaltung um in die "Wirtschaftsregion Lausitz". Und die Sachsen schicken sich an, von Dresden aus eine "Zukunftswerkstatt Lausitz" zu etablieren.

Es gibt niemanden, der all die Strukturen und die Zuständigkeiten noch durchschaut. Dabei kann man allen Protagonisten bestimmt keine böse Absicht unterstellen. Im Gegenteil: Kommunalpolitiker und Wirtschaftsförderer aller Ebenen werden von ihren Mittelständlern getrieben, etwas zu tun. Untätigkeit will sich da keiner vorwerfen lassen.

Doch statt einer konzertierten Aktion für den Strukturwandel dominiert bisher nur blinder Aktionismus. Alle Beteiligten ziehen irgendwie am selben Strang, blöd nur, dass jeder in eine andere Richtung zieht.

Am Dienstag verschwinden die Vattenfall-Logos aus der Lausitz. Der tschechische EPH-Konzern wird einen neuen Namen für die Tagebaue und Kraftwerke präsentieren. Manche glauben, dass es mit dem Strukturwandel damit nicht mehr so eilt, weil alles so weitergeht wie bisher.

Das ist ein großer Irrtum. Die Lausitzer Wirtschaft muss sich verändern, wenn die Region langfristig als starker Wirtschaftsstandort erhalten bleiben soll. Das funktioniert aber nur, wenn alle Lausitz-Lobbyisten endlich gemeinsame Sache machen. jan.siegel@lr-online.de