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| 01:08 Uhr

Biskys bester Mann

Es ist das traurige Los der klügeren Bevölkerungsteile in Deutschland, ständig missverstanden zu werden.

Das gilt erst recht für ihren Häuptling, den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der kürzlich darüber geklagt hat, dass die Bürger nicht überall so intelligent seien wie in seinem Freistaat - und deshalb ständig Gefahr liefen, die falschen Parteien zu wählen. Um ihnen die Wahlentscheidung zu erleichtern, hatte sich der CSU-Chef in einem karitativen Akt zu einem Duell mit dem Linkspartei-Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine bereit erklärt - im Fernsehen, glaubte Otto Normaldenker. Doch weit gefehlt: Gestern ließ Stoiber zur Überraschung aller wissen, dass er keineswegs ein TV-, sondern vielmehr ein Print-Duell im Sinn gehabt habe.
Mit seinem Rückzieher hat der CSU-Chef das zweifelhafte Kunststück vollführt, beim Versuch, einen Fehler auszubügeln, diesen in der Wirkung deutlich zu verstärken. Denn schon mit seinem Duell-Vorschlag hatte Stoiber die von Lothar Bisky geführte Linkspartei und ihren Spitzenkandidaten Lafontaine aufgewertet, indem er jenen auf gleiche Augenhöhe mit sich selbst hob.
Und jetzt vermittelt der Bayer dem staunenden Publikum sogar die Botschaft, er fühle sich dem Saarländer vor laufenden Fernsehkameras nicht gewachsen. Erst die abfälligen Bemerkungen über die Ostdeutschen, jetzt das - wenn Edmund Stoiber so weitermacht, wird ihm der Titel des besten Wahlkämpfers der Linkspartei kaum noch zu nehmen sein.