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Kommentar
Beruhigungsmittel

Christine Longin - Korrespondentin in Paris
Christine Longin - Korrespondentin in Paris FOTO: LR
Meinung Der tödliche Messerangriff auf zwei junge Frauen vor dem Bahnhof von Marseille hat Frankreich wieder seine Verletzlichkeit gezeigt. Ebenso wie der Sprengstofffund in einem schicken Pariser Stadtviertel. Von Christine Longin

Eines ist seit den beiden Ereignissen klar: Fast zwei Jahre nach den Anschlägen von Paris ist die Terrorgefahr nicht gebannt. Die Regierung ist deshalb unter Druck, die Sicherheit der Franzosen zu garantieren. Mit ihrem Anti-Terror-Gesetz will sie nun Stärke demonstrieren angesichts der islamistischen Bedrohung. Sie weiß dabei 57 Prozent der Franzosen hinter sich, die sich von einem starken Staat mehr Sicherheit erhoffen. Doch Hausarreste und Durchsuchungen tragen nur wenig dazu bei. Das haben die vergangenen zwei Jahre gezeigt. Das wichtigste Mittel, um Anschläge zu verhindern, ist eine intensive Geheimdienstarbeit. Auch die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zählt - so, wie bei dem Sprengstofffund in Paris. Das neue Gesetz ist dagegen eher ein Beruhigungsmittel. Und zwar eines, für das die Franzosen teuer bezahlen müssen: Es kostet sie nämlich einen Teil ihrer Bürgerrechte.