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Post aus Dresden
Schneebergs Glockenzoff

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Redaktion / LR
O Arzgebirg, wie bist du schie! Mit Wäldern, Wiesen, Barg on Tol. Und mit der unvergleichlichen Art, Dir die Vokale so zurechtzubiegen, dass es schön haamlich klingt. Du bist überhaupt ein toller Landstrich, wo man noch Traditionen pflegt. Du schnitzt Reifen, Du drechselst Engel, Du zündest Dir Weihnachten gern ein Lichtlein extra an. Du schleppst Holz aus dem Wald und Schätze aus dem Berg. An Feierobnd sitzt Du gern vor der Vugelbeerschänk und guckst versonnen auf de Randfichten. Von Christine Keilholz

Du bist gottesfürchtig und arbeitsam. Und wenn Du Dich mal über was aufregst, dann muss das schon was Gravierendes sein. Wie die Bergglocke von Schneeberg. Jawohl, die Glocke! Die scheppert seit Alter Väter Zeiten früh um fünf Uhr, auf dass Du aus dem Federbett steigst und Dich aufmachst zur Schicht. Doch die Arzgebirgler sind auch nicht mehr die von vor 500 Jahren. Sie wollen heute länger schlafen, da geht die Bergglocke auf den Wecker. Die Bergglocke ist zwar Tradition und Kulturerbe. Doch sie bringt neuerdings die Work-Life-Balance von Schneeberg dermaßen durcheinander, dass es neulich eine Krisensitzung geben musste.

Im Kulturzentrum „Goldene Sonne“ berichtete der Pfarrer, es lägen 16 Eingaben in der Sache vor. Eingaben! Das Landratsamt musste die Dezibel messen und stellte dabei Grenzwertüberschreitung fest. Eine Schneebergerin fürchtet um das Wohl ihres Kindes, das von der Glocke aufwacht. Die zuständige Bergbrüderschaft hat bereits reagiert, nun läutet es nicht mehr fünf Minuten, sondern nur noch drei. Unter den 100 Anwesenden wurde gar die Frage laut, ob das Gebimmel inzwischen überflüssig sei. Überflüssig! Also große Ratlosigkeit in der goldenen Sonne. Nur der Pfarrer hatte eine Eingebung: Vielleicht, meinte er, könne man am Klöppel etwas machen, damit es leiser wird. Jetzt wird ein Bastler gesucht. Und basteln, liebes Arzgebirg, das kannst Du doch!