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Barleys Warnschuss

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Trotz einer gesetzlich vorgegebenen Geschlechter-Quote zumindest für die Aufsichtsräte in großen Unternehmen sind die Männer in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft immer noch viel zu häufig unter sich. Hat das Gesetz also versagt? Nicht unbedingt. Stefan Vetter

Denn was wäre die Alternative? Schon zur Jahrtausendwende hatte die Wirtschaft Besserung gelobt. Doch das war nur ein Lippenbekenntnis. Insofern darf man getrost annehmen, dass die Lage wohl noch trauriger wäre, hätte die Bundesregierung weiter auf jeglichen Zwang verzichtet.

Ginge es nach Katarina Barley, wären demnächst feste Vorgaben auch für die Zusammensetzung von Firmen-Vorständen fällig. Die Wirtschaft sollte Barleys Drohung als Warnschuss betrachten. Wenn sich 70 Prozent der infrage kommenden Unternehmen eine Zielgröße von null Prozent für den Frauenanteil in ihren Vorständen setzen, dann ist das ein unhaltbarer Zustand. Ohne politischen Druck dürfte sich dieses Problem nicht in Wohlgefallen auflösen.

Offen bleibt zwar, ob Barley nach der Bundestagswahl noch dafür zuständig ist, ob ihre SPD überhaupt wieder mitregiert. Aber auch die Union hat längst erkannt, dass sich beim Frauenanteil in Führungspositionen deutlich mehr tun muss als bisher. Die Wirtschaft sollte also alarmiert sein.

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